Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 12:19 PM CEST, Oct 15, 2019

Wallfahrt zum Grab des Hl. Laurentius

Im 400. Todesjahr unseres Mitbruders, des heiligen Laurentius von Brindisi, laden wir euch ein, eine virtuelle Wallfahrt an sein Grab zu machen; es liegt in Spanien in Villafranca del Bierzo (Galizien). Gehütet wird es heute von Klarissen, die seit Jahrhunderten in jener Stadt im Kloster der Annunziata wohnen, das Mariä Verkündigung geweiht ist.

Wir laden dazu ein, Video und Fotogalerie anzuschauen und wünschen einen guten Pilgerweg!

Wir informieren auch darüber, dass Fotos hoher Qualität vom Grab unseres Heiligen zur Verfügung stehen und bei Publikationen und Drucken eingesetzt werden können. Sie sind abrufbar unter Capuchin Creative Commons – mit einem Klick auf den link.

 

Hl. Laurentius von Brindisi OFMCap
Doctor Apostolicus
1559 – 1619

Julius Caesar Russo (Laurentius) wurde am 22. Juli 1559 in Brindisi (Apulien) geboren. Am 19. Februar 1575 erhielt er in Verona den Kapuzinerhabit, am 24. März 1576 legte er die Profess ab und am 18. Dezember 1582 wurde er zum Priester geweiht. 1599 wurde er zum Generaldefinitor gewählt und beauftragt, den Orden in Böhmen einzupflanzen. Im Laufe des Jahres 1600 gründete er zwei Konvente, in Wien und Graz, und trug zum Sieg von Stuhlweißenburg bei im Oktober 1601. Am 24. Mai 1602 wurde er für drei Jahre zum Generalminister gewählt und visitierte zu Fuß alle europäischen Provinzen. Zu Beginn des Jahres 1606 befahl ihm Paul V., nochmals nach Böhmen zu gehen. Zwischen 1607 und 1609 verfasste er das apologetische Werk Lutheranismi hypotyposis. 1613 visitierte er als Generaldefinitor die Provinz Genua und wurde dort zum Provinzialminister gewählt. 1614 bis 1619 unternahm er viele diplomatische Missionen. Am 22. Juli 1619 starb er in Lissabon; sein Leichnam wurde nach Villafranca del Bierzo (Galizien) transportiert und im Kloster der Unbeschuhten Franziskanerinnen beigesetzt. Pius VI. sprach ihn am 23. Mai 1783 selig und Leo XIII. erhob ihn am 8. Dezember 1881 zum Heiligen. Von 1928 bis 1956 wurden die zwölf Bände seiner Opera omnia veröffentlicht, weswegen Johannes XXIII. ihn am 19. März 1959 zum Kirchenlehrer erklärte unter dem Titel "Doctor Apostolicus''.

Laurentius von Brindisi – vom Glückskind zum Kirchenlehrer

Vor vierhundert Jahren verstarb in Lissabon ein Genie, das heute kaum noch einer kennt: ein Friedensvermittler in der großen Politik, ein feuriger Prediger in der religiösen Zerrissenheit Europas – und das als Kapuziner.

Dem Ehepaar Wilhelm und Elise Rossi in Brindisi an der Küste Apuliens wurde am 22. Juli 1559 ein Sohn geboren, der schon als kleiner Junge durch seine Talente auffiel. Bei der Taufe erhielt er den Namen Julius Caesar. Er wurde jedoch weniger ein Feldherr als ein erfolgreicher Diplomat und Prediger. Bei den Minoriten ging er zur Schule, lernte viele Gedichte und biblische Texte auswendig und übte sich früh im Reden. Wie damals in Italien üblich, durften zum Fest der Taufe Jesu Kinder predigen. Julius Caesar tat es im Dom seiner Heimatstadt mit solcher Selbstverständlichkeit, dass alle staunten. Als er zwölf Jahre alt war, starb sein Vater. Dessen Bruder Peter Rossi war Weltpriester in Venedig; er holte seinen Neffen zu sich und förderte seine Ausbildung. Bald lernte der begabte Julius die Kapuziner kennen; 1575 trat er bei ihnen ein und bekam den Namen des römischen Märtyrers Laurentius; nach dem Studium der Philosophie und Theologie wurde er Ende 1582 zum Priester geweiht; gleich wurde er Lektor für die Exegese in Venedig und 1586 Novizenmeister in Bassano. Zum Predigen rief man ihn nach Padua und Pavia. Hatte er während des Studiums die Heilige Schrift auf Hebräisch, Griechisch und Latein auswendig gelernt, so lernte er jetzt Französisch, Spanisch und Deutsch im Umgang mit Händlern in Venedig und mit Diplomaten an Fürstenhöfen. Er wurde durch Predigten so berühmt, dass Papst Clemens VIII. ihn hieß, mit den Juden in Rom zu disputieren, was er später auch in München und Prag tat.

Im aufblühenden Kapuzinerorden übernahm Laurentius bald Führungsrollen: 1589 wurde er Provinzial der toskanischen, 1594 der venezianischen Provinz; 1596 wurde er in das Gremium gewählt, das den Generalminister berät, und beim nächsten Kapitel 1602 sah er sich selber für drei Jahre zum höchsten Oberen gewählt. Zu Fuß visitierte er die Klöster in Italien, Frankreich, Spanien und der Schweiz, wo er 1598/99 Kommissar war.

Überhaupt liegen die Jahre, in denen Laurentius öfter auf deutschem Boden war, vor seiner Zeit als Generalminister. Schon als Beirat hatte er den Plan unterstützt, Brüder ins Deutsche Reich zu schicken, und es ist kein Wunder, dass das Generalkapitel im Mai 1599 ihn auf Grund seiner Sprachkenntnisse und Erfahrungen zum Leiter jener Gruppe von Missionaren bestimmte, die der katholischen Kirche nördlich der Alpen zu Hilfe kommen sollte. Außer ihm gehörte zur Gruppe von zwölf Brüdern ein P. Gabriel von Innsbruck, der ebenfalls Deutsch konnte. Sie kamen am 28. August in Wien an. Erzherzog wie Erzbischof freuten sich und brachten sie zunächst bei den Minoriten und Jesuiten unter. Sechs Brüder ließ Laurentius in Wien, mit den übrigen fünf zog er weiter nach Prag, wo der Kaiser residierte. Rudolf II. nahm sie freundlich auf und stellte ihnen sofort einen Bauplatz zur Verfügung. Bis das Kloster fertig war, wohnten die Brüder im Krankenhaus jenseits der Moldau. So sehr sich die Katholiken ermutigt fühlten, so verärgert waren Hussiten und Protestanten. Sie brachten durch Verleumdungen den Kaiser auf ihre Seite. So hielt Laurentius eine Abschiedspredigt, an deren Ende er in Tränen ausbrach, dem Kaiser alles Gute wünschte und das Volk mit dem Kreuz segnete. Die Wirkung der Predigt war: die Kapuziner durften bleiben. Ein Jahr später wurde ihre Kirche eingeweiht. 1602 erfolgte die Kirchweihe in Wien und Graz. 1607 legte Laurentius den Grundstein zu Kloster und Kirche in Bruck an der Mur. Ein Jahr später war die Provinz bereits so groß, dass sie in eine böhmisch-österreichische und eine steirische Provinz geteilt wurde.   

Im Dienst katholischer Fürsten

Während Laurentius in Wien weilte, hörte er vom Vorrücken der Türken nach Stuhlweißenburg, wo das kaiserliche Heer lagerte. Als Feldpater mit päpstlichen Vollmachten ausgestattet, begab er sich unter die 18.000 Soldaten, ermutigte sie und rief zum gemeinsamen Gebet auf. Mit dem Kreuz in der erhobenen Hand ritt er voran. Die kaiserlichen Soldaten erstürmten die feindlichen Stellungen und schlugen die Türken in die Flucht. Dieser Sieg von Stuhlweißenburg im Oktober 1601 wird allgemein P. Laurentius zugeschrieben. Drei Monate später finden wir ihn als Botschafter beim Herzog Vinzenz Gonzaga in Mantova. Nach seinem Generalat erhielt er vom Papst die Weisung, sich wieder nach Prag zu begeben. Er nahm seinen Weg über Augsburg und Donauwörth; hier wurde er von Protestanten beschimpft, die seit dem Schmalkaldischen Krieg nach und nach die Stadt in ihre Gewalt bekommen und den katholischen Gottesdienst verdrängt hatten. Nur noch bei den Benediktinern konnte man die Heilige Messe feiern. Laurentius setzte sich beim Kurfürsten Maximilian von Bayern dafür ein, dass Donauwörth wieder katholisch wurde. Im Februar 1607 endlich wieder in Prag, erlebte der Kapuziner die Predigten Polykarp Leysers, der als Hofprediger mit seinem Kurfürsten Christian II. von Sachsen nach Prag gekommen war. Da niemand von den Kaiserlichen dem evangelischen Prediger widersprach, trat ihm im Juli Laurentius entgegen und wies ihm vor allen Leuten nach, dass er die Bibel nicht einmal im Urtext lesen könne; daraufhin suchte Leyser das Weite. 1608 wirkte Laurentius in Madrid, um als Gegengewicht zur Union der protestantischen Fürsten Spanien für die Liga der katholischen Fürsten zu gewinnen, was ihm auch gelang. Dank seiner Freundschaft mit Kurfürst Maximilian konnte Laurentius einen Zwist zwischen diesem und dem Erzbischof von Salzburg schlichten. Gleiches gelang ihm ein letztes Mal 1618, als er zum spanischen König reiste und die Absetzung des Vizekönigs erreichte, der Neapel tyrannisierte.

Mit Mund und Feder

Es waren schwere Aufgaben, die Laurentius von Brindisi anvertraut wurden; fast immer ging es darum, zwischen hochgestellten Persönlichkeiten zu vermitteln, um etwas für die Untertanen zu erreichen. Er musste sich gut überlegen, was er sagen sollte und wann. Richtschnur war ihm die Bibel, die er noch als gemeinsame Basis voraussetzen konnte, auch wenn im Reich Katholische und Evangelische sich immer mehr trennten. Er beschwor geradezu diese gemeinsame Basis und ließ deshalb keine Gelegenheit aus, das Wort Gottes zu verkünden und darauf hinzuweisen, dass ihm das Leben entsprechen müsse. Predigen war ihm ein Anliegen, eine Herzensangelegenheit. Umso mehr muss man sich wundern, dass er bei all seinen Aktivitäten und beschwerlichen Reisen noch Zeit fand, so Vieles und Gründliches zu schreiben. Seine über 15.000 von Hand beschriebenen Folio-Seiten wurden erst 1928-1956 transkribiert und in 15 Bänden herausgegeben; es sind 740 Predigten (sermones), darunter 84 über Maria; sie bilden das Mariale, eine solide Lehre über Maria von ihrer Empfängnis bis zu ihrer Krönung im Himmel. Zwei weitere Werke sind ein Kommentar zur Genesis und eine Widerlegung Luthers. Seine Argumentation geht immer von der Heiligen Schrift aus, die er bestens kennt; gern führt er auch die Kirchenväter ins Feld. Klar ist seine Gedankenführung, anschaulich seine Sprache.

Neben allen seinen Aktivitäten führt er ein intensives geistliches Leben; kein Tag ohne Meditation und Messe; diese zieht sich manchmal über Stunden hin, weil er entrückt ist. So liegt der Erfolg seiner Politik wohl in seiner Mystik.

1783 wurde Laurentius selig- und 1881 heiliggesprochen. 1959 erklärte ihn Johannes XXIII. zum Kirchenlehrer (Doctor apostolicus), „weil er glänzend den Schatz der Bibel erschlossen, die kath. Lehre verkündet und niedergeschrieben, Zweifel ausgeräumt und Irrtümer aufgedeckt habe“. Sechzig Jahre nach dieser Erhebung zum Kirchenlehrer hat uns dieser Europäer noch viel zu sagen.

Leonhard Lehmann

Letzte Änderung am Samstag, 14 September 2019 05:38