Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 6:22 AM CEST, Aug 6, 2020

So erwarten Christen und Muslime den Papst

Arabische Emirate, Bischof Paul Hinder: „So erwarten Christen und Muslime den Papst“

Die Erwartungen der katholischen und islamischen Gemeinschaften und die offenen Perspektiven auf das internationale und interreligiöse Treffen im Interview mit dem Apostolischen Vikar von Südarabien.

Cristina Uguccioni

ABU DHABI

Zwei Einladungen hat Papst Franziskus angenommen: die der örtlichen katholischen Kirche und die von Scheich Mohammed bin Sayed Al Nahyen, Kronprinz von Abu Dhabi. Vom 3. bis 5. Februar wird der Papst in Abu Dhabi, in den Arabischen Emiraten weilen. Er wird an einem internationalen und interreligiösen Treffen teilnehmen, das der „Universellen Brüderlichkeit“ gewidmet ist. Es ist ein Unternehmen, das vom Muslimischen Ältesten Rat gefördert wurde, eine internationale Organisation, deren Vorsitz der Grossiman der Universität al-Azar in Kairo innehat.

Über die aktuellen Ereignisse wird berichtet werden. Es immer besser zu tun hilft uns der Kapuzinerbischof aus der Schweiz, Paul Hinder. Seit 2011 ist er Apostolischer Vikar von Südarabien, das Yemen, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate umfasst. Die Arabischen Emirate bilden eine Föderation und umfassen ca. 9.500.000 Einwohnern. Die Katholiken - alle sind Fremde - machen etwa eine Million aus. Sie arbeiten vor allem in bestimmten Bereichen: auf dem Bau, in der Schule, in Dienstleistungen und Arbeiten im Haus. Sie stammen aus mehr als 100 Ländern: vorzüglich aus den Philippinen, Indien und anderen asiatischen Ländern. Dazu kommt eine rechte Anzahl von Gläubigen arabischer Sprache: vor allem aus dem Libanon, aus Syrien und aus Jordanien.

Im folgenden Interview von Vatican Insider erzählt Bischof Hinder, der in Abu Dhabi residiert, von den Erwartungen der Kirche am Golf. Diese versteht sich als Kirche „von Migranten und für Migranten“.

Così cristiani e musulmani aspettano il Papa

Wie ist die Stimmung der katholischen Gemeinde der Emirate, wenn sie den Besuch des Papstes erwartet?

„Die Katholiken hier sind begeistert: Mit der Freude, den Papst bei sich haben zu dürfen, verbindet sich Gewissheit, dass sie  im Glauben bestärkt werden und seinen Segen zu empfangen. Sie leben mitten in einem muslimischen Kontext, fern ihrer Heimat und erhoffen sich vom Papst Worte der Ermunterung und für sich, dass ihre Existenz als Christen auch offiziell anerkannt wird. Nicht selten stehen unsere Gläubigen unter dem Eindruck, dass der Rest der Welt keine Ahnung hat, dass es in den Emiraten katholische Gemeinschaften gibt. Ich möchte betonen, dass diese Gemeinschaften sehr lebendig sind: Eine Kirche von Migranten zu sein, bringt einen besonderen und vielleicht auch prophetischen Charakter mit sich.

Wir können ein Zeugnis dafür ablegen, wie man in einer nicht-christlichen Gesellschaft seinen Glauben leben kann: Die Katholiken vor Ort verschweigen in keiner Weise ihre religiöse Zugehörigkeit; sie haben auch keine Angst davor, offen zu zeigen, wer sie sind, und woran sie glauben. Sie respektieren den islamischen Glauben, aber nicht aus einer ängstlichen Haltung heraus. Ihr Mut ist ein milder Mut. Ich glaube, dass es für den Papst eine wertvolle Erfahrung sein wird, wenn er dieser Kirche begegnet. Für mich ist der Besuch eine Ermunterung, mit Vertrauen in die Zukunft zu gehen; daneben ist der Besuch des Papstes auch eine Anerkennung für unsere Gemeinschaften. Ich habe den Wunsch, dass die Anwesenheit des Papstes die Welt und die Gläubigen anderer Länder dazu bringt, unsere Existenz wahrzunehmen und die Aufmerksamkeit aller auf den dramatischen Konflikt zu lenken, der in aller Härte das Volk der Yemeniten bedrängt. Es ist angewiesen auf unsere Gebete und unsere konkrete Hilfe“.

In welche Richtung gehen die Empfindungen des muslimischen Volkes?

„Die Muslime warten auch auf den Papst und schauen interessiert und neugierig  diesem Besuch entgegen. Schon in früheren Jahren habe ich festgestellt, dass Papst Franziskus bei den Gläubigen grosse Sympathien geniesst und dass er in gewisser Weise als Freund betrachtet wird. Viele Muslime möchten auch an der Messe, die der Papst feiert, teilnehmen,weil sie verstehen möchten, worum es bei der Messe geht. Es werden nicht nur Christen an der Messe teilnehmen können, aber sie haben sicher den Vortritt. Die Muslime werden dem Papst bei anderen Gelegenheiten begegnen. Die Eucharistiefeier ist kein Theater. Wir wissen das grosse Interesse von Seiten von Menschen islamischen Glaubens an der Teilnahme an der Messe zu schätzen“.

Ist der interreligiöse Dialog in den Emiraten ein heisses Eisen?

Zunächst möchte ich festhalten, dass für mich der Dialog der Religionen einen entscheidenden Faktor für die Entwicklung der Welt ausmacht. Der Dialog mit dem Islam ist obligatorisch, auch wenn er nicht immer leicht fällt. In meinem Vikariat werden Kongresse von muslimischen Institutionen durchgeführt und Anlässe, die von vielen christlichen Kirche veranstaltet werden und bei denen der Heilige Stuhl durch den Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog eine wichtige Rolle einnimmt. Die Arabischen Emirate zeigen sich offen für den Dialog mit anderen Religionen. Im Hinblick auf den Papstbesuch habe ich vor einigen Tagen einen Besuch beim Kronprinzen von Abu Dhabi, dem Scheich Mohammed Zayed Al Nahyen gemacht. Ich darf sagen, dass es eine ausgezeichnete Begegnung gewesen ist. In jeder Hinsicht war diese Begegnung ein ungetrübtes Treffen.Wenn die Regierung das internationale und interreligiöse Treffen, das der universellen Brüderlichkeit gewidmet ist, bei sich aufnimmt, so beabsichtigt sie der Welt die eigene Öffnung und Toleranz zu zeigen“.

In den Arabischen Emiraten wurde das Jahr 2019 als „Jahr der Toleranz“ proklamiert

„Das ist ein ermutigendes Zeichen. Ich würde  sagen, dass es diese Toleranz in den Emiraten tatsächlich gibt, nicht nur uns Katholiken gegenüber, sondern auch für die Gläubigen anderer Religionen. Gewiss, die Emirate sind muslimisch und der Islam ist Staatsreligion. Da sind uns Grenzen gesetzt: Der Kult darf sich nur an jenen Orten entfalten, die ihm zugewiesen wurden. Ähnlich sind Versammlungen mit religiösem Charakter ausschliesslich im Inneren der zu diesem Zweck errichteten Gebäulichkeiten, die man uns zugewiesen hat, gestattet. Innerhalb dieser Grenzen können wir unsere  seelsorglichen Arbeiten entfalten. Man toleriert uns, aber man hilft uns auch: zum Beispiel: die neuen Kirchen in den Emiraten wurden auf Boden erbaut, den man uns geschenkt hat und uns jetzt mit einer Miete belastet wird, die der Staat symbolisch festgelegt hat. Man hilft uns auch viel in der Vorbereitung des Papstbesuchs; die ganze Logistik wurde von der Regierung übernommen. Sie war auch bereit, die Messe zu organisieren, miteingeschlossen die Errichtung des Altars“.

Haben Sie den Eindruck, dass das für den internationalen und interreligiösen Dialog gewählte Thema „Universelle Brüderlichkeit“ sich für den Dialog zwischen Christen und Muslimen als fruchtbar erweisen kann?

Ich denke ja. In den vergangenen Jahren habe ich oft festgestellt, dass die muslimischen Autoritäten mich als „brother, Bruder“ bezeichnen. Das will wohl heissen, dass sie in mir und in anderen Katholiken nicht nur die Unterschiede sehen, die uns trennen, sondern auch die Dimensionen, die uns verbinden. Zumindest in dieser Schicht der Gesellschaft sind wir als Brüder angenommen und anerkannt. Ich glaube, dass dieses Thema ein guter Weg sein kann, dass wir  vorankommen, auch wenn wir Christen einen Begriff von Brüderlichkeit verwenden, der anders ist als der im Koran und in der islamischen Welt“.

Welche Fürchte könnte der Besuch des Papstes und seine Teilnahme am interreligiösen Dialog mit sich bringen?

„Eine Antwort zu geben, das ist schwierig. Sicher kann ich sagen, dass der Besuch des Papstes einen wichtigen Schritt nach Vorne im Dialog zwischen Christen und Muslimen ausmacht und zur gegenseitigen Kenntnis von Christen und Muslimen einen wichtigen Beitrag leistet. Eine unmittelbare ersten Frucht ist sicher die gelöste Atmosphäre , die uns in diesen Tagen der Vorbereitung auf den Besuch erfasst hat. Kürzlich sind einige muslimische Autoritäten bei mir vorbeigekommen. Sie haben mir Vorschläge und Initiativen zu einer intensiveren Zusammenarbeit vorgelegt, z. B. im Bereich der Bildung. Der Besuch des Papstes, meinten sie, soll keine isolierte Episode bleiben, er soll für das tägliche Leben der Bevölkerung konkrete Konsequenzen haben. Ich betrachte das als ein ermutigendes Zeichen, nicht nur für die Arabischen Emirate“.

Fonte – www.lastampa.it

Letzte Änderung am Dienstag, 05 Februar 2019 12:49