Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 6:46 AM CEST, Jun 14, 2018

Abschied des Br. Bernardino von Armellada von der Bühne dieser Welt

Rom. Nach dem kürzlichen Hinscheiden von Oktavian Schmucki, dem grossen Wissenschaftler für die Bereiche Franziskus und  franziskanische Geschichte, hat uns ein anderer Mitbruder verlassen, der viel geschrieben und viel gearbeitet hat. Es geht um Br. Bernardino von Armellada mit dem zivilen Namen Agostini García Perez. Er ist 88 Jahre alt geworden, stand im  70. Ordensjahr und im 64. Priesterjahr. Zuletzt weilte er auf der Krankenstation in Madrid. Die Mitbrüder, die ihn begleiteten, erzählen von der Verschlechterung seines Zustands, was ihm selber sehr bewusst war. Vor etwa zwei Monaten waren sie überrascht vom Wort, das er als Abschied gesprochen hat: „Gott sei gepriesen, auf Wiedersehen, Brüder“. Gestern am 22. Februar begegnete Br. Bernardino heiter der Schwester Tod.

Zum 80. Geburtstag von Br. Bernardino im Jahr 2010 hat die Päpstliche Universität Antonianum zu seiner Ehre eine Miscellanea publiziert: „Religioni et Doctrinae“. Verantwortlich zeichnete Br. Aleksander Horowski, Präsident des Historischen Instituts. Br. Bernardino wurde darin vorgestellt als „Experte von Duns Scotus, fruchtbarer Historiker und geschätzter und gesuchter Dozent“. Wir wissen, dass Philosophie und Geschichte die grossen Bereiche seines Forschen ausmachten.

Als viertes von acht Kindern einer Arbeiterfamilie wurde er geboren. Schon von Klein auf zeigte er eine Vorliebe für das Studium. Mit siebzehn Jahren trat er in Bilbao ins Noviziat ein. Die folgenden Philosophiejahre - drei in Montehano und eines in León - machten ihn vertraut mit der Suche Gottes, die - wie er sagte - bei den letzten Gründen ihren Anfang nimmt. An der Universität Salamanca erlangte er die Lizenz in Theologie. Dann schuf er an der Gregoriana das Doktorat; er behandelte den skotistischen Gedanken über den Primat der Liebe angesichts des letzten Ziels des menschlichen Lebens. Br. Bernardino besuchte in Rom die Vorlesungen bekannter Theologen wie P. Zoltan Alszeghy und P. Juan Alfaro. Einige Behauptungen des Letzteren bezüglich der Bedeutung der übernatürlichen Gaben stellte er in Frage. Im Jahr 1964 hatte er auch Kontakt mit dem bekannten Theologen Karl Rahner; ihm präsentierte er seine Arbeit über die Lehre vom Übernatürlichen.

Die grossen Gestalten der franziskanischen Welt (Bonaventura, Skotus, Ockham, Laurentius von Brindisi) waren zu einem grossen Teil Gegenstand seiner Studien. 1966 hielt er im Rahmen der 700-Jahrfeier der Geburt des Skotus in Oxford einen Vortrag. Im Jahr 2008 nahm er anlässlich der 700-Jahrfeier des Todes von Skotus an einem der Skotistenkongresse in Mailand teil.

Unter anderen bevorzugten Themen sticht heraus die Mariologie, im Speziellen die Lehre von der Unbefleckten, wie sie von verschiedenen franziskanischen Autoren vorgetragen wurden. Die Jungfrau - sagt er in einem Interview - war mir immer, seit meinen Jahren im Seminar, eine mütterliche Begleiterin meiner Spiritualität.

Er galt als der beste Kenner der Theologie des hl. Laurentius von Brindisi und publizierte bei B.A.C. das „Mariale des Doctor Apostolicus“.

Im Jahr 1985 wurde Br. Bernardino als Professor am Institut für Spiritualität, als Sekretär für die spanische Sprache und als Vizepostulator für den Seligsprechungsprozess der spanischen Märtyrer der Provinz Kastilien nach Rom geschickt.

Man kannte Br. Bernardino wegen seiner Liebe zur Kirche und wegen seiner Hingabe und Treue ihr und ihrer Lehre gegenüber. Er - so schreibt P. Benedict Vadakkekara - war mit dem Kapuzinerorden sehr verbunden und mit Stolz trug er den Habit, wohin er auch ging.“

Mit dieser Treue zu Gott, zu seiner Kirche und zum Kapuzinerorden kam er zum Treffen mit Schwester Tod. Sie hat ihn sicher vorgefunden als einen, dessen Papiere in Ordnung sind, so dass er in Gnade zur Betrachtung des Angesichtes Gottes zugelassen werden konnte.

Letzte Änderung am Montag, 12 März 2018 22:28