6.
PLENARRAT
DIE ARMUT IN BRÜDERLICHKEIT LEBEN
Assisi 1998
Liebe Brüder,
mit grosser Freude überreichen
wir euch die Ergebnisse, die der 6. Plenarrat des
Ordens zum Thema "Armut in Brüderlichkeit
leben" in Assisi vom 7. September bis 1. Oktober
1998 in Assisi erarbeitet und dann auch schriftlich
festgehalten hat.
Vor zweieinhalb Jahren haben wir
dem Orden unsere Absicht bekannt gegeben, einen Plenarrat
über die evangelische Armut in ihrer gemeinschaftlichen
und institutionellen Dimension durchzuführen.
In der Folge hat sich die Brüdergemeinschaft
unseres Ordens intensiv mit der Vorbereitung dieser
bedeutsamen Veranstaltung befasst. Vor wenigen Tagen
nun fand dieses Ereignis seinen Abschluss: 31 Delegierte
der Konferenzen aus allen fünf Kontinente waren
mit dem Generalminister und seinem Definitorium in
Assisi zusammengekommen.
Wenn wir nun, liebe Brüder,
das Ergebnis der geleisteten Arbeit veröffentlichen,
sind wir uns sicher, dass wir euch ein leistungsfähiges
Arbeitsinstrument an die Hand geben, das die lebendige
Einheit zwischen der Generalleitung in Rom und der
ganzen Brüdergemeinschaft unseres Ordens zum
Ausdruck bringt. Zudem bezeugt es die gelebte Brüderlichkeit,
die wir in den Tagen des Plenarrats erfahren haben.
Wie es die Satzungen nahelegen (vgl. Satz 123,1),
wird die gemachte Erfahrung dazu beitragen, bei den
Brüdern das Bewusstsein der Verantwortung füreinander
und der Zusammenarbeit miteinander zu stärken
und die Einheit unserer Gemeinschaft in all ihrer
Pluriformität zu fördern. Mit dieser Veröffentlichung
bestätigen wir gleichzeitig mit Zustimmung des
Generaldefinitoriums die Ergebnisse der Beratungen
des 6. Plenarrats. Was die Beratungen erbracht haben,
darf als wegweisende Norm für den ganzen Orden
Geltung haben (vgl. Satz. 123,6).
Das Generaldefinitorium selber wird
den Text im kommenden Januar an seiner ordentlichen
Sitzung intensiv studieren, jene Punkte festhalten,
die unmittelbar in die Tat umgesetzt werden können,
und die vormerken, die allenfalls dem Generalkapitel
zur Behandlung überwiesen werden müssen.
In jedem Fall ist es unsere Absicht, alles aufzugreifen,
was der Plenarrat erarbeitet hat und was den Prozess
einer angepassten Erneuerung des Ordens fördern
kann.
Wir möchten noch eine Bemerkung
anfügen zum methodischen Vorgehen, von dem sich
die Arbeit des Plenarrats leiten liess. Wie ihr aus
dem Text unschwer erkennen könnt, hat dieser
Plenarrat nicht wie frühere Plenarräte ein
eigentliches Dokument erarbeitet, sondern sich darauf
beschränkt Propositiones vorzulegen. Propositiones
haben nicht die Absicht, die Thematik unter lehrmässigen
Gesichtspunkten zu entwickeln und zu vertiefen. Die
lehrmässigen Elemente, die im Text durchaus nicht
fehlen, stehen in erster Linie im Dienst von Aussagen,
die Handlungsanweisungen sein wollen. Die Arbeitsweise
mit den Propositiones erlaubte allen Teilnehmern am
Plenarrat die aktive Mitarbeit und den intensiven
Austausch untereinander. Sie ermöglichte es auch,
die reiche kulturelle Vielfalt unseres Ordens mit
Aufmerksamkeit und Respekt in ihrem Wert anzuerkennen,
sie zu würdigen und positiv zu integrieren, und
sie hat uns einen Weg gehen lassen, der zu einer weitgehenden
Übereinstimmung in den verschiedensten und oft
auseinander strebenden Ansichten der Brüder geführt
hat, eine Übereinstimmung übrigens, die
uns alle überrascht hat.
Der vorliegende Text wurde nach den
Weisungen des Plenarrats von einer kleinen Redaktionskommission
nochmals durchgesehen und überarbeitet. In Übereinstimmung
mit den Anregungen der Brüder auf dem Plenarrat
hat sie die Propositiones vor allem unter stilistischem
und sprachlichem Gesichtspunkt überarbeitet.
Wir sind dabei auch der Mehrheit des Plenarrats gefolgt
und haben einige wenige Überschriften gesetzt.
Diese gehören allerdings nicht zum eigentlichen
Text, können aber doch zu dessen besserem Verständnis
beitragen.
Zum Schluss empfehlen wir aus ganzem
Herzen den Höheren Oberen und den Guardianen
als den Erstverantwortlichen für die Weiterbildung
im Orden (vgl. Satz 23,6), die Brüder mit den
vom Plenarrat vorgelegten Kriterien bekanntzumachen,
diese intensiv zu studieren und sie entsprechend den
jeweiligen Möglichkeiten und Zuständigkeiten
in die Tat umzusetzen. So werden wir die evangelische
Armut in wahrer Brüderlichkeit leben können.
Der Geist des Herrn möge in
den Herzen aller Brüder die Liebe zu unserer
Herrin, der heiligen Armut, erneuern und uns helfen,
die Armut und ihr heiliges Wirken in uns zu bewahren.
Der Generalminister und das Definitorium
Fr. John Corriveau
Fr. Ermanno Ponzalli
Fr. Aurelio Laita
Fr. Andrew Anil Sequeira
Fr. Tadeusz Bergiel
Fr. Paul Hinder
Fr. William Wiethorn
Fr. Andrés Stanovnik
Fr. Thaddaeus Ruwa’ichi
Rom, 4. Oktober 1998
Fest des hl. Franziskus
PROPOSITIONES
ALS MINDERE BRÜDER HEUTE IN
EVANGELISCHER ARMUT LEBEN
1. Fundament und Vorbild unserer
evangelischen Armut ist Jesus, das Wort Gottes, der
"all seine Vorrechte aufgab (Entäusserung)
und einem Sklaven gleich wurde ... im Gehorsam gegen
Gott sogar den Tod auf sich nahm, den Verbrechertod
am Kreuz" (Phil 2,7). In seiner Nachfolge haben
wir in freier Entscheidung die Armut gewählt:
eine Armut, die frei macht und mit Freude erfüllt,
eine Armut auf das Reich Gottes hin. Sie hat ihren
Zweck nicht in sich selber. Sie ist wie die Armut,
die Jesus gelebt hat: "Er war reich und wurde
für euch arm; denn er wollte euch durch seine
Armut reich machen" (2 Kor 8,9; vgl. Satz 59,1).
Armut macht uns frei für Gott und frei für
unsere Brüder und Schwestern.
2. Grundlegende Absicht des hl. Franziskus
war es, "das heilige Evangelium unseres Herrn
Jesus Christus zu beobachten" (BReg 1,1). In
der Menschwerdung und im Kreuz erkennt er das Modell,
das ihn in seiner radikalen Lebenshaltung bestimmen
wird: "Behaltet nichts von euch für euch
zurück!"(BrOrd 29). Zunächst bedeutet
dies: anerkennen, dass alles Gute, das in uns ist
und das durch uns Gestalt annimmt, ein Geschenk Gottes
ist. und: dass wir es Gott in Lob und Danksagung zurückerstatten
müssen. Ein weiteres Element dieser radikalen
Entäusserung ist noch schmerzhafter: "Wir
sollen fest überzeugt sein, dass nur Laster und
Sünden zu uns gehören" (NbReg 17,7).
Franziskus fügt noch ein drittes, nicht weniger
forderndes Element hinzu: "Wir müssen uns
mehr freuen, wenn wir in mancherlei Versuchungen geraten
und vielerlei Ängste und Trübsal an Seele
und Leib ertragen sollten" (NbReg 17,8). Und:
"Wir können uns rühmen in unseren Schwachheiten
und können täglich das heilige Kreuz unseres
Herrn Jesus Christus tragen" (Erm 5,8).
3. Das Ideal evangelischer Armut
lässt Franziskus eine klare Entscheidung für
das Mindersein treffen. Mindersein ist der greifbare
Ausdruck wahrhaft innerer Armut. Diese muss im franziskanischen
Lebensentwurf auch in konkreten Lebensvollzügen
sichtbar werden: Armut wird greifbar als Demut des
Herzens, als Verzicht auf Macht (vgl. Erm 2,3; 3;
4; 6,4; usw) und als Solidarität mit denen, die
in Not und Entbehrung leben.
Ohne wirkliches Mindersein verfehlte
unsere Armut ihren Sinn; sie würde zur Überheblichkeit.
Aber auch Mindersein ohne Armut wäre eine Haltung,
die in die Irre führt. Andererseits tragen für
Franziskus Armut und Mindersein ihren Sinn nicht in
sich, sie helfen uns nur, die "höhere Geistesgabe"
(vgl. 1 Kor 12,31) zu verwirklichen, die Liebe. Diese
findet ihren Ausdruck in der franziskanischen Geschwisterlichkeit
gegenüber den Menschen und der Kreatur.
Es war gerade die gelebte evangelische
Geschwisterlichkeit in Armut und Mindersein, die Menschen
aus allen sozialen Schichten um Franziskus versammelte
und sie achtsam und sensibel machte für die Not
gerade der Bedürftigsten.
4. Durch das Wirken des Franziskus
entstand eine Ordensgemeinschaft von Brüdern
(vgl. 1 Cel 38). Unsere Geistigkeit und Überlieferung
haben die Armut immer in den Mittelpunkt gestellt.
Dabei richteten sie ihr Augenmerk vor allem auf die
aszetische, individuelle Seite der Armut, allerdings
ohne ihren brüderlichen, gemeinschaftlichen Aspekt
ganz zu übersehen (vgl. besonders: I CPO 46-61;
IV CPO 43-45; V CPO 29-40.55; Satz 59-74). Heute laden
uns ein geschärfter Sinn für Brüderlichkeit,
die weltweite Verbreitung des Ordens und neue Problemstellungen
unserer Zeit dazu ein, neu und vertieft darüber
nachzudenken, was es bedeutet "Armut in Brüderlichkeit
zu leben". Der in diesen Propositiones gewählte
Gesichtspunkt ist der gemeinschaftliche, institutionelle
und strukturelle Aspekt von Armut.
5. Innerhalb der franziskanischen
Bewegung haben die Kapuziner ihrer Armut durch die
Praxis strenger Einfachheit und ihrem Mindersein durch
gelebte Volksnähe (Predigt beim einfachen Volk,
Pflege von Pestkranken, Almosensammlung usw.) einen
besonderen Akzent verliehen. Werden diese traditionellen
Werte von erneuerten und inkulturierten Gemeinschaften
gelebt, entwickeln sie eine Dynamik, die das Evangelium
kraftvoll bezeugt und gleichzeitig einen kräftigen
Impuls gibt für den Einsatz zugunsten der Schwächsten.
6. Franziskus war der Auffassung,
dass Habgier und Geiz die Beziehung des Menschen zu
Gott zerstören und dass Ehrgeiz und Konkurrenzdenken
den Sinn für die Geschwisterlichkeit unter den
Menschen zunichte machen. Er wollte das evangelische
Ideal der Liebe und der Brüderlichkeit in seiner
ganzen Fülle leben. Darum hat er sich mit seinen
ersten Gefährten zu einer Lebensform entschieden,
die sich im damaligen Kontext mutig für ein Leben
in Armut entschied: Verzicht auf den Gebrauch von
Geld, Verzicht auf Eigentum, Handarbeit als ordentliches
Mittel, um den Lebensunterhalt der Brüder zu
bestreiten und für die Bedürfnisse anderer
Menschen aufzukommen, und schliesslich Almosensammeln
in Zeiten offenkundiger Not.
In neuerer Zeit und im Hinblick auf
die neuen Lebensverhältnisse hat Papst Paul VI.
alle päpstlichen Erklärungen, mit denen
in den vergangenen sieben Jahrhunderten die Armutspraxis
des Ordens geregelt wurde, ausser Kraft gesetzt (Erklärung
vom 4. März 1970). Von dieser Regelung ausgenommen
sind nur die Anordnungen, wie sie vom allgemeinen
Kirchenrecht und von den Satzungen festgelegt wurden.
In diesem Zusammenhang hält der Papst ausdrücklich
fest, dass die franziskanischen Orden nicht mehr an
die wirtschaftlichen Optionen des Franziskus und seiner
ersten Gefährten gebunden sind.
Gleichwohl fühlen wir uns auch
in Zukunft zur Treue den Grundintentionen des hl.
Franziskus gegenüber verpflichtet. Wir müssen
bisher noch unbegangene Wege suchen und finden, um
den Grundintentionen franziskanischen Lebens eine
neue Gestalt zu geben: Strenge des Lebensstils und
engagierter Einsatz in der Arbeit; Solidarität
und gegenseitige Abhängigkeit; eine Lebensweise,
die in der Erfahrung des Volkes, vor allem der Armen
verwurzelt ist; rechter Gebrauch und korrekte Verwaltung
unserer Güter; Einsatz zugunsten einer nachhaltigen
Entwicklung.
7. Angesichts der weltweiten Globalisierung
der Wirtschaft - sie bestimmt auch die Lebenswirklichkeit
unserer Gemeinschaft - bekennen wir in Demut und in
gläubigem Vertrauen den Wert der evangelischen
Armut als einer gültigen Alternative für
unsere Zeit. Wir stehen zur ursprünglichen Inspiration
des hl. Franziskus und zu den Grundentscheidungen
der franziskanisch-kapuzinischen Tradition. Darum
übernehmen wir für unsere Gemeinschaft die
Option der evangelischen Armut und verpflichten uns,
sie neu zu durchdenken und neu zu gestalten.
Wir müssen uns fragen: Welche
Antwort geben wir zum Beispiel auf die Auswirkungen
einer globalisierten Welt? Zunächst einmal geht
es darum, dass wir die Mechanismen dieser neuen wirtschaftlichen
"Ordnung" kennen lernen, sie verstehen und
sie kritisch beurteilen können. Dabei achten
wir besonders auf die moralische Problematik, die
diesem Wirtschaftssystem zugrunde liegt. Als Antwort
auf dieses Wirtschaftssystem müssen wir unsere
evangelische Lebensform tatkräftig leben und
sie auch nach aussen bezeugen. Die Werte, die unsere
Lebensform ausmachen, sind: Einfachheit, Unentgeltlichkeit,
Bereitschaft zum Dienen, Respekt vor der menschlichen
Person und vor der Kreatur - all diese Werte wollen
wir - wobei wir zu unserer Schwäche stehen -
dem herrschenden wirtschaftlichen System als Alternative
vorleben. Dabei wollen wir beachten, dass wir nicht
allein sind: Mit uns gehen auf demselben Weg viele
Männer und Frauen guten Willens . Auf unterschiedliche
Weise arbeiten sie wie wir für das Gute, für
den Frieden und die Gerechtigkeit.
8. Damit unsere Gemeinschaft gut
vorbereitet auf die Herausforderungen der heutigen
Welt eingehen kann, sollen für die Zeit der Grundausbildung
Lehreinheiten vorgesehen werden, die eine angemessene
Kenntnis der ökonomisch-sozialen Wirklichkeit
vermitteln. Dazu sollen die Brüder die Welt der
Arbeit erfahren in sozialen Einsätzen und im
Dienst an den Armen, wie es schon der 4. Plenarrat
angeregt hat (vgl. IV COP 51).Dabei soll man vor allem
die ethischen und anthropologischen Aspekte der wirtschaftlichen
Problematik ins Auge fassen. Auch die Weiterbildung
muss einen ihrer Schwerpunkte auf die vertiefte Auseinandersetzung
mit dieser Problematik setzen.
ALS BRÜDER UNTER DEN ARMEN -
PLURIFORMITÄT
9. Wie es die Kirche für sich
getan hat, bestätigen und erneuern wir für
uns selber die vorrangige Option für die Armen.
Diese Option liegt nicht im persönlichen Ermessen
des einzelnen Bruders; wir sind als Brüdergemeinschaft
mit dieser Option herausgefordert. In unserer Gemeinschaft
muss sie sichtbar zum Ausdruck kommen: wir leben mit
den Armen und übernehmen von ihnen, was gültig
ist in ihrer Art zu glauben, zu lieben und zu hoffen;
wir dienen ihnen vorzugsweise mit unserer Hände
Arbeit; wir teilen mit ihnen das Brot und treten für
ihre Rechte ein. Mit den Armen arm zu sein und uns
zu ihren Brüdern zu machen, gehört wesentlich
zum franziskanischen Charisma und kennzeichnet unsere
Traditon als "volksverbundene Brüder".
Franziskus bekennt im Testament,
dass seine Bekehrung die entscheidende Wendung nahm,
als der Herr ihn unter die Aussätzigen führte.
Dann ging er "aus der Welt" und vollzog
den Wechsel seines sozialen Standorts: Er verliess
das Zentrum der Stadt und zog an die Peripherie von
Rivotorto und Santa Maria degli Angeli. Unsere Satzungen
und die Plenarräte von Quito und Garibaldi ermutigen
uns, wenigstens einige unserer Gemeinschaften unter
den Armen zu errichten, sofern dabei die kontemplative
und brüderliche Dimension nicht vergessen wird,
die im gemeinsamen Leben sichtbar werden muss: "Lob
verdienen jene, die unter den besonderen Verhältnissen
eines Gebietes mit den Armen zusammenleben, an ihrem
Los und ihren Sehnsüchten Anteil nehmen"
(Satz 60,6; vgl. 12,2-4, 100,3, 104,1; V CPO 25,1).Wir
sind überzeugt, dass die Solidarität mit
den Menschen am Rand eine der wirksamsten Antworten
auf die Ungerechtigkeiten unserer Zeit ausmacht.
10. Wir sind uns bewusst, dass die
Nähe zur Kultur der Armen uns menschlich bereichert.
Zudem gibt uns die Kultur der Armen einen unentbehrlichen
Verständnisschlüssel in die Hand, wenn wir
zur Herzmitte unseres franziskanischen Erbes vorstossen
wollen. Wir schlagen deshalb vor, dass jeder Ordensbezirk
Projekte erarbeitet und in Gang setzt, die eine demütige
Präsenz unter den Armen zu gewährleisten
vermögen. Dadurch dass wir von innen her an ihrer
Kultur teilhaben, anerkennen uns die Armen als ihrer
Welt zugehörig. Wir unsererseits werden in die
Lage versetzt, wirksam deren ganzheitliche Entwicklung
zu fördern. Projekte dieser Art erfordern eine
sorgfältige Zusammensetzung der damit beauftragten
Gemeinschaft und eine gute Vorbereitung der für
sie bestimmten Brüder. Darüber hinaus bleiben
sie angewiesen auf den ständigen Rückhalt
im betreffenden Ordensbezirk und auf den brüderlichen
Erfahrungsaustausch.
11. In seinem Leben hat Franziskus
die Radikalität des Evangeliums verwirklicht.
Durch die unverwechselbare Weise, mit der er das Evangelium
gelebt und verkündet hat, konnte er erfahrbar
machen, was es heisst: nackt dem nackten Christus
folgen..
Für ihn ist es grundlegend,
dass der Mensch sich mit vollem Vertrauen auf Gott
einlässt. Darum beharrt er darauf, dass seine
Brüder auf den Strassen der Welt einherziehen,
ohne etwas mit sich zu nehmen, wie Schafe mitten unter
Wölfen. Und er legt Gewicht darauf, dass sie
den Menschen das Evangelium durch das gewöhnliche,
alltägliche Zeugnis ihres Lebens als Mindere
Brüder verkünden. Diese Art zu sein und
zu leben, ohne Macht und ohne schützende Sicherheiten,
ist für Franziskus nicht nur eine Voraussetzung
der Evangelisierung, sie ist für ihn bereits
Evangelisierung. Unsere Geschichte als Kapuziner ermutigt
uns, die unmittelbare Präsenz unter den Menschen
jeder Gesellschaftsschicht von neuem zu suchen und
sie lebendig zu gestalten, besonders auch bei den
armen und einfachen Leuten. Es ist deshalb nur folgerichtig,
wenn wir uns bemühen, Methoden der Evangelisierung
zu entwickeln, die sich nicht unter Einsatz aufwendiger
Mittel auf Macht und Sicherheit verlassen. So werden
wir bereit, bei den Armen in die Schule zu gehen und
unser Vertrauen allein auf Gott zu setzen.
12. Der 6. Plenarrat legt Wert darauf,
dass die Armut als wesentliches Element unserer franziskanischen
Berufung im Licht der Aussagen der Satzungen bezüglich
Einheit und Pluriformität gelebt werden muss.
Auf der einen Seite ist die Einheit immer ausgerichtet
auf die Brüderlichkeit und auf den Grundsatz,
dass "wir alle die gleiche Berufung haben und
deshalb untereinander gleich sind" (Satz 84,3).
Doch sind die Lebensumstände der Brüder
sehr verschieden. Darum ist echte Pluriformität
und glaubwürdige Evangelisierung nur möglich
bei einer gleichzeitig überzeugenden Inkulturation.
Die Inkulturation der Armut muss sich auswirken bis
hinein in die alltäglichen Lebensumstände,
in die Art der Gebäude, in den Lebensstandard,
in die bescheidenen Mittel, die wir für das Apostolat
einsetzen, und bis in die Art, wie wir auftreten.
Die Kriterien, die uns bei dieser
pluriformen Inkulturation leiten, sind die folgenden:
Kreative Treue der Brüdergemeinschaft
zum einen und einzigen Geist, der den Orden belebt.
Von diesem Geist glauben wir, dass er sich in den
verschiedenen Ordensbezirken zu Worte meldet, nicht
zuletzt in den Zeichen der Zeit.
Treue zur brüderlichen Gemeinschaft
und Gehorsam gegenüber den Oberen. Beide zusammen
machen das Einheitszentrum unseres Charismas aus.
Freudige Zustimmung zur Tatsache,
dass wir verschieden sind und doch eine Gemeinschaft
bilden.
Die Bereitschaft, miteinander zu
teilen, was uns gehört.
13. Die Bestimmung in den Satzungen:
"ein Mindestmass an Notwendigem und nicht das
Höchstmass an Erlaubtem" (67,3) muss vernünftigerweise
im Kontext der jeweiligen Gesellschaft, in der die
Brüder leben, angewandt werden. Wir schlagen
deshalb vor, dass die Brüder in jedem Ordensbezirk
diese Bestimmung auf ihre spezifischen Lebensbedingungen
anwenden. Durch die Führung eines Haushaltsplans
und durch die Festlegung von Obergrenzen bei den Ausgaben
können die örtlichen Gemeinschaften und
die Provinzen den Aufwand in Grenzen halten und zugleich
ein überzeugendes Beispiel von Bescheidenheit
und von Lebensstrenge geben.
LEBENSUNTERHALT DURCH ARBEIT UND
DURCH ALMOSENSAMMELN
14. Unsere Arbeit ist ein Beitrag
zur Vollendung der Schöpfung. Sie nützt
der Gesellschaft, einigt die Gemeinschaft und verwirklicht
die Person. In einer Welt, die die Arbeit auf ein
simples ökonomisches Gut reduziert hat, stellt
die evangelische Armut als Nachfolge Christi verstanden
die Würde der Arbeit wieder her. Für uns
Franziskaner ist die Arbeit eine Form von Solidarität
unter uns Brüdern und mit dem Volk, zugleich
aber auch die hauptsächliche Quelle für
unseren Lebensunterhalt.
Wir möchten an dieser Stelle
einige Gesichtspunkte besonders hervorheben: Die Arbeit
soll die Wertschätzung des Individuums fördern
und dazu beitragen, die notwendigen Bedürfnisse
der Gemeinschaft abzudecken. Allen Brüdern sollen
gleichwertige Ausbildungsmöglichkeiten angeboten
werden. Man entwickle auch ein kritisches Bewusstsein
für die dynamischen Kräfte, die in der heutigen
Arbeitswelt am Werke sind.
15. Die franziskanische Tradition
hat die Arbeit immer als Gnade gesehen; darum ist
den Brüdern grundsätzlich jede Arbeit erlaubt,
wenn sie nur ehrbar ist und mit unserem Mindersein
vereinbar ist (vgl. Test 20; NbR 7,9; IV CPO 49).
Wir sind uns bewusst, dass die Welt der Arbeit nur
im Kontext der verschiedenen geschichtlichen Phasen
und der unterschiedlichen geographischen Voraussetzungen
begriffen werden kann. Erst in dieser Vielfalt gewinnen
die verschiedenen apostolischen, karitativen, intellektuellen
und handwerklichen Tätigkeiten ihren je eigenen
Stellenwert. Die apostolische Tätigkeit hat der
Orden immer verstanden als sakramentale Handlung und
zugleich als Verkündigung, die sich in den vielfältigsten
Formen verwirklicht. Es geht bei ihr um eine Tätigkeit,
die gebührend anerkannt und der genügend
Raum zur Entfaltung gegeben werden muss. Doch liegt
uns daran, auch die Würde und den Nutzen der
Arbeit mit den Händen hervorzuheben. Der heutige
Kontext erfordert für bestimmte Aufgaben oft
auch eine spezifische Professionalität, zu der
der Zugang für Kleriker- und Laienbrüder
in gleicher Weise offen stehen muss. Wir wollen in
unserer Gemeinschaft bei allem Tun den Sinn für
die Geschenkhaftigkeit und die Unentgeltlichkeit wach
halten. Darum achten wir auf ein ausgewogenes Verhältnis
zwischen bezahlten Tätigkeiten, die für
den Selbsterhalt der Gemeinschaft notwendig sind,
und Tätigkeiten, die wir umsonst leisten. Wir
lassen uns dabei stets von der Überzeugung leiten,
dass der einzelne Bruder nicht nach der Tätigkeit
beurteilt wird, die er ausübt, und auch nicht
nach dem Geld, das er verdient. Die Entscheidung für
eine individuelle Tätigkeit beruhe immer auf
dem Urteil und der Mitsprache der Gemeinschaft (vgl.
Satz 76,2; 77,4). So vermeiden wir, dass die Arbeit
für den betreffenden Bruder Privatbesitz wird.
So bleibt er versetzbar und steht weiterhin für
die Bedürfnisse der örtlichen Gemeinschaft
und der Provinz zur Verfügung.
16. Die Arbeit im Haus ist so wichtig,
dass ein Bruder, "der nicht teilnimmt an den
Hausarbeiten, die Gemeinschaft schwächt"
(IV CPO 19). Die tatkräftige Mitarbeit aller
Brüder an den häuslichen Arbeiten und Aufgaben
der Gemeinschaft trägt dazu bei, dass das Verständnis
für die Brüdergemeinschaft, für Gleichberechtigung
und für gegenseitige Hilfe und Abhängigkeit
sich entwickeln kann. Dem Hauskapitel kommt dabei
eine wichtige Aufgabe zu. Die Hausarbeiten bringen
uns auch dem Lebensstil einfacher Menschen näher,
wobei mit Hausarbeit hier nicht nur Handarbeit im
engeren Sinn gemeint ist. In der modernen Gesellschaft
reichen die Aufgaben im Haus vom Garten bis zum Computer
und jeder Bruder kann seine praktischen oder intellektuellen
Fähigkeiten zum Wohl des Ganzen einbringen.
Auf Grund des hohen Altersdurchschnitts,
der Verringerung der Zahl der Brüder und ihrer
vielfältigen Verpflichtungen, besonders in grossen
Niederlassungen, sind einige Provinzen dazu übergegangen,
für die Arbeiten im Haus Laienpersonal einzustellen.
Dieser Weg ist durchaus gangbar; man soll sich aber
in jedem Fall an die ortsüblichen gesetzlichen
Regelungen halten. Doch sollten wir vermeiden, zum
vornherein auf diese Lösung zu setzen, sie als
die übliche zu betrachten oder uns gar an eine
Art von "Herrenmentalität" zu gewöhnen.
17. Wir leben in einer Gesellschaft,
die unter dem zunehmenden Druck der Aufgaben, der
Termine und der modernen Nachrichtenmittel immer schnelllebiger
wird. Auch unsere Gemeinschaften können sich
diesem Stress nicht entziehen. Sie müssen sich
nicht nur vor dem Risiko des Nichtstuns, sondern auch
vor der Gefahr eines überbordenden Aktivismus
hüten. Das gilt auch für den Bereich der
apostolischen Wirksamkeit. Angesichts dieser Gefährdung
müssen wir darauf achten, dass der Aktivismus
nicht dazu führt, dass das brüderliche gemeinschaftliche
Leben Schaden nimmt. Dies tritt dann ein, wenn keine
Freiräume bleiben für Reflexion, geistige
Auseinandersetzung, Austausch mit den Brüdern
der eigenen Gemeinschaft und vor allem für den
"Geist des Gebetes und der Hingabe". Ohne
diese Freiräume verliert das Leben sein inneres
Gleichgewicht. Das Überhandnehmen der Aktivität
kann in uns ein übertriebenes Vertrauen auf das
eigene Tun wecken und die eigene Person ins Zentrum
stellen, als ob das Reich Gottes nicht das Werk des
Geistes wäre und Hören, Sammlung und Schweigen
vor Gott zu nichts nütze wären.
18. Arbeit ausserhalb einer klösterlichen
Niederlassung oder bei Fremden, auch rein weltliche
Arbeit, wurde im Lauf unserer Geschichte von den Anfängen
an bis zum heutigen Tag ausgeübt. Sie hat in
neuerer Zeit eine besondere Bedeutung in den "Kleinen
Fraternitäten" und in den Gemeinschaften
von Arbeiterbrüdern erlangt. Die Bildung dieser
Kleinfraternitäten war getragen vom Wunsch, in
die Welt der Arbeit einzutauchen und sich dort gleichsam
als lohnabhängiger Arbeiter zu "inkarnieren"
. Heute haben sich die Arbeitsbedingungen verändert.
Arbeitsplätze werden wegrationalisiert; die Lebensbedingungen
des Arbeiters sind somit nicht mehr der bevorzugte
Bezugspunkt, den sie noch vor nicht allzu langer Zeit
für die Kleinen Fraternitäten darstellten.
Doch kann der damals gültige Beweggrund noch
heute die Wahl der Lebensbedingungen eines Lohnabhängigen
begründen, vielleicht nicht mehr in einem Industriebetrieb,
aber als Abhängiger in einer geringen, mühevollen
Beschäftigung. Wenn wir uns einlassen auf die
Lebensbedingungen des Grossteils der Menschheit, dann
geben wir den anderen ein evangelisches Zeugnis; wir
selber machen eine Lernerfahrung zu unserem Nutzen.
Bestimmend bleibt aber immer die Brüdergemeinschaft
(Satz 77,3; 79,1-2). Sie ist unser Lebensraum, Ort
der Auseinandersetzung und des gegenseitigen Rückhalts.
19. Die hohen Ansprüche und
die Professionalität, die heutzutage verlangt
werden, wenn wir gewisse Aufgaben übernehmen
wollen, führen in unserem Orden unweigerlich
zu einem längeren Verbleiben am selben Ort und
in derselben Anstellung. Wir laufen dabei allerdings
Gefahr, uns in eine starre Unbeweglichkeit hinein
zu manövrieren. Wenn wir den Sinn für das
Unterwegssein, das uns in dieser Welt zu "Pilgern
und Fremden" macht (vgl. BReg 6,2; Test 24) bewahren
wollen, dann müssen wir den Mut haben, im Rahmen
der jeweiligen Gemeinschaft und im offenen Gespräch
mit den Oberen immer wieder und immer neu abzuwägen,
ob wir verfügbar sind für die Übernahme
einer neuen Aufgabe oder allenfalls bereit sind zu
bleiben. Grundlage unserer Entscheidungen müssen
das Wohl der Gemeinschaft sein und das Wohl des Gottesvolkes.
Ihnen gegenüber sind wir verantwortlich.
20. Im Leben des heiligen Franziskus
und in dem seiner Brüder bis auf den heutigen
Tag hat das Almosensammeln eine bedeutende Rolle gespielt.
Im Sammeln von Almosen zeigte sich deutlich die Abhängigkeit
der Brüder von den Leuten, unter denen sie lebten;
durch die Sammeltätigkeit knüpften die Brüder
enge Bande mit den Leuten, stets war der Bettelgang
auch ein wirksames Mittel der Evangelisierung und
ein Weg zum engen Kontakt mit dem Volk. Heute sind
neue Formen des Almosensammelns entstanden: Missionssekretariate
und -prokuren, Stiftungen, fromme Vereinigungen, Zeitschriften,
Kalender usw. In jedem Fall bleibt es unsere Aufgabe,
neue Wege des direkten und persönlichen Kontakts
mit den Leuten zu suchen, dabei neue Formen eines
demütigen Apostolats bei allen Schichten der
Bevölkerung zu entdecken und uns nicht zu scheuen,
gleichsam von Tür zu Tür bei den Armen und
bei den Reichen anzuklopfen.
Wir müssen die Werte, die hinter
der Praxis der Almosensammlung stehen, neu beleben:
das Vertrauen in die Vorsehung Gottes und das Gespür
für die Abhängigkeit und für die Wechselbeziehungen
zwischen uns und den Leuten. Die Leute geben uns,
weil sie wissen, dass wir den Armen geben. Wir müssen
Almosen annehmen, damit wir selber Almosen geben können.
Was das systematische und regelmässige
Sammeln von Geldern betrifft, schlagen wir vor, dass
der Provinzialminister und sein Definitorium dafür
unbedingt die Genehmigung erteilen und die Kontrolle
über die gesammelten Gelder ausüben. Die
Zielsetzungen, um deretwillen solche Gelder gesammelt
werden, müssen klar und unmissverständlich
offengelegt werden. Dem Provinzialminister und seinem
Definitorium ist jährlich ein angemessener Rechenschaftsbericht
vorzulegen. Es geht nicht an, dass einzelne Brüder
allein über die Verwendung der gesammelten Gelder
verfügen.
SOLIDARITÄT UND ECHTES MITEINANDER
TEILEN
21. Das Teilen der Gaben unter den
verschiedenen Ortskirchen ist eine der Dimensionen,
die notwendig zur Katholizität der Kirche gehört
(Lumen gentium 13). Für Franziskus übersteigt
das Teilen der Güter die rein rechtliche Verpflichtung.
Es hat zu tun mit der Liebe, die wir uns gegenseitig
erweisen: "Wenn schon eine Mutter ihren leiblichen
Sohn nährt und liebt (vgl. 1 Thess 2,7), um wieviel
sorgsamer muss einer seinen geistlichen Bruder lieben
und ernähren!" (BReg 6,8). Die Enzyklika
"Sollicitudo rei socialis" definiert die
moralische Tugend der Solidarität als "einen
festen und dauerhaften Entschluss, sich für das
Allgemeinwohl, das heisst für das Wohl aller
und jedes einzelnen Individuums einzusetzen, weil
wir für alle und alles verantwortlich sind"
(Sollicitudo rei socialis 38). Franziskus spitzt diese
Umschreibung der Solidarität noch zu, indem er
eine Geschwisterlichkeit verkündet, die sich
nicht darüber zu schämen braucht, dass wir
gegegenseitig voneinander abhängig sind (vgl.
NbReg 9,6-7). In der Tat steht Franziskus in aller
Klarheit darauf, dass die gegenseitige Abhängigkeit
der Menschen eine Folge der Schöpfung und der
Erlösung ist und sie deshalb auch einen Rechtsanspruch
des Menschen beinhaltet (vgl. NbReg 9,8). Darüber
hinaus ruft die gegenseitige Abhängigkeit voneinander
nach der theologalen Tugend der Liebe. Diese macht
den reich, der sie schenkt, und beschenkt ebensosehr
den, der sie empfängt (vgl. NbReg 9,9). Brüderliche
Gemeinschaft und gegenseitige Abhängigkeit müssen
die Strukturen der Solidarität zwischen den örtlichen
Gemeinschaften, den Provinzen und dem Orden als internationaler
Grösse bestimmen und inspirieren, ebenso unseren
Austausch mit der Welt, vor allem mit der Welt der
Armen.
22. Solidarität meint nicht
in erster Linie, dass einer einem anderen etwas gibt;
Solidarität ist gegenseitige Abhängigkeit
und Geschwisterlichkeit. Die Kultur der Solidarität
schafft neue Weisen des Verständnisses und des
Vollzugs von Beziehungen zu den andern. Als Franziskus
das Leben mit den Aussätzigen teilte, da wandelte
sich auch seine Art mit ihnen umzugehen. Wenn wir
solidarisch sein wollen, dann müssen wir für
jeden Bruder Sorge tragen, vor allem für die,
die von der Verteilung der Güter der Gesellschaft
ausgeschlossen sind. Wir müssen den Schrei der
Armen hören und dafür arbeiten, dass die
globale Solidarität sich zu einer neuen sozialen
Ordnung entwickelt.
23. Bei den verschiedenen Formen
der Solidarität nach aussen erfordert eine besondere
Aufmerksamkeit die Solidarität mit den Herkunftsfamilien
der Brüder. Schon Franziskus lädt dazu ein,
die Mutter eines Bruders wie die eigene zu respektieren.
Es scheint uns allerdings der Hinweis nötig zu
sein, dass nicht der einzelne Bruder, sondern die
Gemeinschaft die Verantwortung für diese Solidarität
übernimmt. Dabei wollen wir in der brüderlichen
Auseinandersetzung mit dieser Frage nicht übersehen,
dass das Evangelium dazu einlädt, die Bindungen
von Fleisch und Blut zu übersteigen. Nur so können
wir die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Kapuziner
und die Offenheit für die Menschen in Not und
Schutzbedürftigkeit in ihrem ganzen Reichtum
leben.
24. Bisher beruhte die internationale
Solidarität innerhalb des Ordens für gewöhnlich
auf der Beziehung Provinz-Mission. Die derzeitigen
Entwicklungen im Orden erfordern eine grundlegende
Änderung des bisherigen Verhaltens, wenn wir
auch in Zukunft solidarische Brüder im Geist
des heiligen Franziskus sein wollen. Zu diesem Zweck
machen wir die folgenden Vorschläge:
Unser Orden ist eine Brüdergemeinschaft.
Deshalb muss die Solidarität nicht nur von Individuum
zu Individuum laufen, sondern von Gemeinschaft zu
Gemeinschaft.
Die evangelische Armut verwurzelt
uns in der je vorgegebenen Kultur und bindet uns ein
in ein bestimmtes Volk. Die internationale Solidarität
darf uns nicht der eigenen Kultur entfremden und unsere
natürlichen Bindungen aufs Spiel setzen.
Wir sind eine Gemeinschaft, die in
vielen Kulturen daheim ist. Deshalb streben wir Gleichheit
an, nicht Gleichmacherei. Die Gleichheit verlangt,
dass jede Provinz in der Lage sein soll, nach dem
Mass ihrer eigenen kulturellen und sozialen Umwelt
die Bedürfnisse der Brüder und die der notwendigen
Dienste abzudecken. Wir haben nicht die Absicht, einen
Lebensstil für Kapuziner zu schaffen, der überall
auf der Welt der gleiche ist. Gleichwohl darf es nicht
vorkommen, dass Brüder an irgendeinem Ort der
Welt im Elend leben; ein jeder soll in angemessenen
Lebensbedingungen leben dürfen.
Das Subsidiaritätsprinzip verlangt,
dass keine Provinz von anderen Provinzen anfordern
darf, wofür sie durch die Arbeit der Brüder
und die Almosen der Leute im eigenen Gebiet aufkommen
kann.
Die franziskanische Solidarität
sprengt den Rahmen von Recht und Gerechtigkeit. Sie
erwächst aus der Grosszügigkeit brüderlicher
Liebe.
Eine effiziente Solidarität
verlangt Transparenz von Seiten derer, die geben,
und von Seiten derer, die empfangen.
Wir stellen fest, dass die derzeitigen
Strukturen der Solidarität zwischen den Ordensbezirken
nicht mehr dem Anspruch genügen, dass wir Brüder
ein und derselben Familie sind. Deshalb soll das nächste
Generalkapitel eine neue tragfähige Struktur
schaffen für die Solidarität zwischen den
Ordensbezirken und Ordenskonferenzen wie auch zwischen
diesen und dem Gesamtorden. Dabei soll Beachtung finden,
was die Satzungen fordern: "Güter, die eine
einzelne Brüdergemeinschaft nicht nötig
hat, sollen den Höheren Oberen für den Bedarf
des Ordensbezirkes oder ... für die Armen oder
für die Entwicklungshilfe gegeben werden"
(Satz 67,4). Das allenfalls damit verbundene höhere
Mass an Zentralisierung wird jedoch den brüderlichen
Beziehungen, die sich geschichtlich zwischen den Ordensbezirken
entwickelt haben, Rechnung tragen müssen.
Wir sind Glieder einer einzigen Familie.
Deshalb soll die Solidaritätskommission des Gesamtordens
nicht nur aus Vertretern jener Provinzen zusammengesetzt
sein, die geben, sondern auch aus solchen, die empfangen.
25. Unsere Solidarität gegenüber
den Leidenden und den Geringsten kommt auch gut in
sozialen und karitativen Werken und Strukturen zur
Geltung. Diese sollen nach den Normen des geltenden
Rechts verwaltet werden. Soweit es möglich ist,
soll auf den verschiedenen Ebenen die Verwaltung in
Zusammenarbeit mit fachlich kompetenten und in Fragen
der Solidarität ausgebildeten Laien geschehen.
Unsere spezifische und bevorzugte Aufgabe bleibt die
Animation auf der zwischenmenschlichen und spirituellen
Ebene (vgl. Satz 71,9).
26. Mit der Dankbarkeit eines Sohnes
besingt Franziskus die Versöhntheit alles Geschaffenen
und das Mitleiden mit allen Kreaturen (vgl. Rundbrief
Nr. 12 des Generalministers). In diesem Geist sollen
sich die Brüder einsetzen für Frieden, Gerechtigkeit
und Bewahrung der Schöpfung. Sie sollen selber
sparsam mit den Ressourcen der "Mutter Erde"
umgehen und sich in geschwisterlicher Weise verantwortlich
fühlen für die Geringsten (V CPO 65), für
die, die keine Stimme haben, für die zukünftigen
Generationen. Diese Option zeigt sich nicht nur in
einer kritischen und aktiven Teilnahme an Bewegungen
für Solidarität und Ökologie, sondern
noch mehr in einer einfach-nüchternen Lebensweise,
die mit wenig zufrieden ist und sich nicht blind von
der Konsumgesellschaft beherrschen lässt.
27. Durch eine solidarische Haltung
fördern wir zugleich eine Kultur der Teilnahme
und der Teilgabe, eine Kultur des Sorgetragens füreinander
und des gemeinsamen Auf-dem-Weg-Seins. Aus dieser
Motivation heraus sollen die Brüder in ihrem
Einsatz für die Solidarität gemeinsame Sache
machen mit allen Menschen guten Willens, im Besonderen
mit den Schwestern des 2. Ordens und mit den Brüdern
und Schwestern der franziskanischen Laiengemeinschaft.
Die Brüder sollen mithelfen beim Aufbau von Bewegungen
wie der franziskanischen und der kirchlichen Ökumene,
dem Dialog zwischen den Religionen und den Rassen,
den Begegnungen zwischen Nord und Süd, usw.
28. Die franziskanische Solidarität
ist umfassend und schliesst den Respekt für die
Unversehrtheit der Schöpfung und die Verantwortung
für jeden Menschen ein. Wir sind Brüder
aller Völker und aller Geschöpfe (V CPO
28). Eine globale Solidarität drängt sich
heute gebieterisch auf, da die Marktkräfte der
globalen Wirtschaft den Worten Jesu einen tragischen
und den ursprünglichen Sinn verkehrende Bedeutung
geben: " Wer viel hat, dem wird noch mehr gegeben
werden. Wer aber wenig hat, dem wird auch noch das
wenige genommen werden, das er hat" (Mt 13.12).
Wir wollen uns das Beispiel des hl. Franziskus vor
Augen halten, der den Anblick eines Menschen, der
noch ärmer war als er selbst, nicht ertragen
konnte. Wir wollen den Ruf all derer hören, die
von der Teilnahme an den Gütern der globalen
Wirtschaft ausgeschlossen sind.
KRITERIEN FÜR DIE VERWALTUNG
UNSERER GÜTER IN TRANSPARENZ UND BRÜDERLICHKEIT
29. Franziskus hat die Zufluchtnahme
zu ausserordentlichen Mitteln erlaubt bei offensichtlicher
Not von kranken Brüdern (vgl. NbReg 8,3) und
von Aussätzigen (vgl. NbReg 8,10). Heute erfordern
andere "offensichtliche Nöte", die
jeweils sorgfältig bedacht sein wollen, die Zufluchtnahme
zu ausserordentlichen Mitteln wie etwa finanziellen
Rücklagen und Anlegen von Geld. Deshalb halten
wir fest:
Finanzielle Rücklagen und Geldanlagen
dürfen allein für "offensichtliche
Not" angelegt werden, die wir weder durch Arbeit,
noch durch Almosen, noch durch interprovinzielle Solidarität
abdecken können.
Die Bedürfnisse, um deretwillen
Gelder angelegt werden, müssen klar umschrieben
sein. Zudem darf der Ertrag solcher Anlagen nur für
die im voraus festgelegten Bedürfnisse eingesetzt
werden.
Statt eine Mindestsumme für
das Anlegen von Geld festzusetzen, um dadurch eine
gewisse Sicherheit zu garantieren, muss eine franziskanische
Brüdergemeinschaft sich auf eine Höchstsumme
festlegen, um ihr Vertrauen auf die menschliche Vorsorge
und auf die göttliche Vorsehung in ein ausgewogenes
Gleichgewicht zu bringen.
Jede Anlage - ob es sich um Immobilien,
Geld oder andere Werttitel handelt - muss den Anforderungen
der Ethik genügen. Zu diesem Zweck kann sich
die Zusammenarbeit mit anderen christlichen oder religiösen
Organisationen, die in einem bestimmten Bereich tätig
sind, als hilfreich und sogar als notwendig erweisen.
Als Glieder eines internationalen
Ordens sind unsere Gemeinschaften in ein breites Spektrum
unterschiedlicher sozialer und wirtschaftlicher Strukturen
eingebunden. Dieser Umstand erfordert pluriforme Verhaltensweisen.
Allerdings könnte es sich als hilfreich erweisen,
nationale oder kontinentale Kriterien festzulegen,
nach denen die Bildung von finanziellen Rücklagen
und das Anlegen von Geld geregelt wird.
30. Das Leben der Brüdergemeinschaft
erfordert Transparenz, auch in der Haus-, Provinz-
und Gesamtordensverwaltung. Die Transparenz beginnt
beim einzelnen Bruder, setzt sich fort in der Transparenz
der örtlichen Gemeinschaft und findet ihre Vollendung
in der Transparenz des Ordensbezirks, zu der eine
Gemeinschaft gehört.
Die Transparenz fördert die
Brüderlichkeit und die Solidarität zwischen
allen Teilen des Ordens und zugleich macht sie diese
sichtbar.
31. Das Hauskapitel ist der gegebene
Ort, wo die Brüder über den Haushaltsplan
ihrer Gemeinschaft befinden und sich bewusst werden,
wofür sie das Geld ausgeben. Auch im wirtschaftlichen
Verhalten müssen wir die Brüderlichkeit
sichtbar machen. Das Hauskapitel ist der Ort, wo wir
unser wirtschaftliches Verhalten konfrontieren mit
anderen Werten, wie der Treue zum Evangelium, dem
Mindersein, usw.
32. Um die Transparenz im Bereich
der verschiedenen Verwaltungen zu gewährleisten,
ist es unabdingbar, dass jede Jahresabrechnung der
einzelnen Gemeinschaft, des Ordensbezirks und des
Gesamtordens folgende Angaben macht:
Vermögensstand oder Bilanz;
Kontostand oder Geschäftsbericht
mit Ein- und Ausgaben;
Haushaltsplan oder jährliches
Budget.
Zur Erstellung korrekter Haushaltspläne
braucht es unbedingt einen übersichtlich und
klar strukturierten Kontenplan.
33. Die örtliche Brüdergemeinschaft
darf nur über kurzfristige Geldanlagen verfügen.
Diese sollen die Liquidität der Gemeinschaft
garantieren. Das ihr zur Verfügung stehende Kapital
betrifft allein die notwendigen Rücklagen für
die ordentlichen Bedürfnisse der Gemeinschaft.
Der Höhere Obere mit seinem Rat legt das Höchstmass
fest, über das eine einzelne Gemeinschaft verfügen
darf (vgl. Satz 73,2). Zu diesem Zweck sollen die
Ordensbezirke Modelle und geeignete Vorlagen entwickeln
und auch überprüfen, ob sich gegebenenfalls
auf Provinzebene eine zentralisierte Verwaltung und
Buchhaltung aufdrängt.
34. Transparenz ist auch erfordert
bei jenen Provinzeinrichtungen, die gesondert verwaltet
werden wie: Missionen, seelsorgliche Einrichtungen,
soziale Werke und verschiedene Fonds. Entscheidungsträger
und Kontrollinstanz ist immer der Höhere Obere
mit seinem Rat. Die Buchhaltungsprüfung kann
vom Oberen an Personen oder an in finanziellen Fragen
kompetente Organe übertragen werden. Solche Organe
können aus Ordensleuten und/oder aus Laien zusammengesetzt
sein.
35. Im Rechenschaftsbericht eines
jeden Ordensbezirks müssen die Geldanlagen, die
für den Ordensbezirk oder für andere Werke
getätigt werden, klar ersichtlich sein. Was die
Bilanz angeht, so muss auch der Verkehrswert der nicht
realisierbaren Güter erkennbar sein, d.h. der
Güter, die nicht dem ordentlichen Aufwand des
Ordensbezirks dienen wie z.B. Grundstücke, nicht
mehr verwendete Gebäude, vermietete Objekte,
usw.
36. Unter Berücksichtigung der
auf diesem Plenarrat aufgestellten Kriterien für
Solidarität und nach Konsultation der eigenen
Konferenz und in Beachtung unserer Satzungen (vgl.
67,7; 73,1) entscheidet jeder Ordensbezirk auf der
Ebene des Definitoriums, allenfalls des Kapitels,
was für den eigenen ordentlichen Haushalt notwendig
ist und wie hoch die Reserven und Geldanlagen für
ausserordentliche Ausgaben nach innen (Unterhalt der
Häuser, Vorsorge für die kranken Brüder,
Versicherungen für das Personal, Aus- und Weiterbildung)
sowie für die Solidarität nach aussen (Missionen
und Caritas) sein dürfen.
37. Bezüglich der Geldanlagen
haben wir uns, abgesehen von der erforderten Transparenz,
an die ethischen Prinzipien zu halten. Wir halten
es mit Berufung auf die Satzungen (vgl. 66,3) für
tragbar, dass wir Geldanlagen vornehmen, wie sie heute
in der Gesellschaft üblich sind. Dabei wollen
wir aber die folgenden Kriterien beachten:
Wir wägen die positiven und
negativen Folgen jeder Geldanlage ab ("ethische
Verantwortung") und bemühen uns im Rahmen
des Möglichen das Geld anzulegen, wie es einer
gerechten Ordnung entspricht.
Wir vermeiden rein spekulative Geldanlagen.
Im Rahmen des Möglichen machen
wir Geldanlagen in der eigenen Wirtschaftsregion oder
dann in ärmeren Ländern.
In diesem Zusammenhang machen wir
darauf aufmerksam, dass jeder Ordensbezirk gehalten
ist, sein eigenes Verhalten mit den Vorgaben der anderen
Ordensbezirke und den Finanzgesetzen und Finanzkontrollen
der betreffenden Länder in Übereinstimmung
zu bringen. Das Anlegen von Geld darf nicht in der
Zuständigkeit eines einzelnen Bruders stehen.
Es bedarf der ausdrücklichen Zustimmung der Höheren
Oberen und soll sich auch auf die Beratung durch kompetente
Laien abstützen, die sich im finanziellen Bereich
auskennen und um den evangelischen Charakter unseres
Ordens wissen.
38. Was die einzelnen Niederlassungen
angeht, so sind zur Lösung konkreter Probleme
die Weisungen der Satzungen und der vorangegangenen
Plenarräte mehr als hinreichend (vgl. I CPO 53).
Die Brüder müssen in dieser Welt als Pilger
und Fremde leben. Deshalb ermuntern wir die Brüder
gemeinsam zu prüfen, ob die Häuser, die
sie zur Zeit bewohnen, in genügendem Mass unser
Vertrauen auf die göttliche Vorsehung zum Ausdruck
bringen. Sie sollen auch überlegen, ob die Niederlassungen,
wo sie wohnen, und die Zahl der dort lebenden Brüder
und der dort entwickelten Aktivitäten in einem
vernünftigen Verhältnis zueinander stehen.
39. Unsere Häuser seien einfach
und gastfreundlich. Sie sollen in einfühlsamer
Weise bescheidene Nüchternheit des Lebensraums
mit dem Gespür für Schönheit und Harmonie
verbinden. Der Lebensstil, zu dem wir uns entschlossen
haben, muss sich auch auswirken auf unsere Bauten
und die Umgebung, die wir uns schaffen. Es ist der
Geist, der die Materie formen muss.
40. Die Vermietung von Immobilien,
die uns gehören, ist zulässig im Rahmen
der ortsüblichen Verhältnisse und entsprechend
den Weisungen, die der Generalminister mit seinem
Definitorium nach ihrem Ermessen erlassen. Wir ziehen
es allerdings vor, dass wir Güter und Grundstücke,
die wir selber nicht mehr nutzen, zum Verkauf freigeben.
Wenn der Verkauf nicht möglich ist, sollen wir
sie mit nicht gewinnorientierten Mietzinsen für
soziale Zwecke zur Verfügung stellen.
41. Wünschenswert ist das Angebot
von Schulungskursen für Brüder, die wirtschaftliche
Kompetenz in der zeitgemässen Verwaltung eines
Betriebs mit einem glaubwürdigen Lebensstil zu
verbinden wissen.
42. Gemäss den Weisungen in
unseren Satzungen (71,5-6; vgl. 163,3) sollen die
Triennalberichte, die die Höheren Oberen an ihren
Oberen richten, auch bezüglich der wirtschaftlichen
Aspekte transparent und erschöpfend sein. Zu
diesem Zweck soll ein Formular geschaffen werden,
das auf alle Ordensbezirke anwendbar ist. Im derzeitigen
Kontext der Globalisierung braucht es unbedingt ein
gutes Kommunikationsnetz, um die notwendigen Hilfen
an die bedürftigen Ordensbezirke gerecht verteilen
zu können.
43. Die für die einzelnen Brüdergemeinschaften
und die Ordensbezirke vorgeschlagene Transparenz gilt
auch auf der Ebene des Gesamtordens. Neben den Beiträgen,
die schon festgelegt sind (z.B. der jährliche
Beitrag der Ordensbezirke von 10% der Missionseinnahmen),
sind in die Kasse der Generalkurie auch der Überfluss
der einzelnen Provinzen und eventuelle Schenkungen,
für die kein unmittelbarer Bedarf besteht, überzuführen
(vgl. Satz 67,7). Die langfristige Anlage von Geldern,
die für die unmittelbare Solidarität bestimmt
sind (z.B. Messstipendien, Schenkungen für die
Armen, usw.) ist unbedingt zu vermeiden.
44. Die Generalkurie ist das zuständige
Organ, das für die Solidarität und die Brüderlichkeit
auf Weltebene gerade steht. Mit angepassten Massnahmen
und strukturellen Hilfen trete sie ein für jene
Ordensbezirke, die nicht in der Lage sind für
die Lebensbedürfnisse ihrer Brüder aufzukommen
(notwendiger Lebensunterhalt, Aus- und Weiterbildung,
Krankenkosten, Bedürfnisse der älteren Brüder).
Bei der Koordination der solidarischen Hilfe muss
der kulturelle und soziale Kontext, in dem die Brüder
leben, angemessen berücksichtigt werden.
45. Wir begrüssen es, wenn der
Generalminister mit seinem Definitorium die Modalitäten
der solidarischen Hilfe festlegt und auch die notwendigen
Strukturen schafft, damit das solidarische Handeln
des Ordens in ausreichendem Mass und effizient gestaltet
werden kann. Die Verwaltung der Fonds, über die
der Generalminister mit Zustimmung seines Definitoriums
verfügt, um diesen Erfordernissen zu genügen,
muss jedem Generalkapitel zur Kenntnisnahme und zur
Beurteilung vorgelegt werden.