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Die Propositiones des VII CPO
Presentation
Liebe Brüder,
Mit vorliegendem Brief präsentieren wir euch die Arbeitsergebnisse des VII.
Plenarrates des Ordens- durchgeführt in Assisi vom
1. – 27. März dieses Jahres - über Unser Leben
in Brüderlichkeit und Mindersein.
Viele von euch hatten die Gelegenheit über Internet die Entwicklung des VII
CPO zu verfolgen und in Realzeit mitzubekommen, was
sich jeweils in Assisi tat. Zusätzlich hatten viele
Brüder – auch über Internet – die Möglichkeit, uns
ihre eigenen Positionen und Meinungen, die bald kritisch,
bald ermutigend waren, zukommen zu lassen. Das haben
wir sehr geschätzt.
Der VII CPO hat – ganz abgesehen von der persönlichen Bereicherung jedes einzelnen
Teilnehmers und den spürbaren Fortschritten auf dem
Weg zur grössern Einheit des Ordens –als Frucht 55
Propositionen zum gestellten Themenbereich hervorgebracht.
Die für die Arbeit des Plenarrates gewählte Methode, mit Propositionen zu arbeiten,
wurde zum zweiten Mal bei einem derartigen Kongress
angewandt. Wir sind uns der Grenzen dieser Methode
sehr wohl bewusst, aber sie hat ihre nicht zu übersehenden
Vorteile. Der Plenarrat selber hat beschlossen, den
Text der Propositionen stilistisch verbessern zu lassen,
eine Arbeit, die eine Redaktionskommission im Verlauf
der letzen Wochen abgeschlossen hat. Das Generaldefinitorium
hat an seiner letzten Sitzung (21.-26. Juni 2004)
den endgültigen Text, den wir hie vorlegen, approbiert,
entsprechende dem § 123,6 der Satzungen, wo festgehalten
ist: „Damit jedoch die Bedeutung seiner (des Plenarrates)Überlegungen
als Richtlinie für den ganzen Orden nicht verloren
geht, ist es angebracht, dass der Generalminister
nach eigenem Urteil und mit Zustimmung des Definitoriums
die Akten des Plenarrates mit seiner Autorität versieht
und dem Orden vorlegt“.
Die Arbeitsgruppe, die den endgültien Text redigiert hat, schlägt vor, die Propositionen
nach 7 Themenkreisen zu gruppieren und jedem Kreis
einen entsprechenden Titel voranzustellen. Es sind
folgende Titel: Grundlegendes; Leben in Brüderlichkeit
und Minoritas; Autorität als Dienst; Itineranz, Minoritas
und Strukturen; Ausbildung zu Minoritas und Itineranz;
unsere Minoritas in der Kirche; für eine Welt in Gerechtigkeit
und Friede. Für die leichtere Lesbarkeit ist jede
der 55 Propositionen mit einem Randtitel versehen
worden, der wesentliche inhaltliche Merkmale der Proposition
nennt.
Die Liste der aufgezählten Titel zeigt schon, wie bedeutsam die Vorschläge des
VII CPO für unser Leben als Kapuziner sind. Sie bestätigen
die Option für das Mindersein und die Itineranz als
für unserere Kapuzineridentität wesentliche Charakteristika
– wesentlich nicht nur für den einzelnen Bruder, sondern
auch für die Gemeinschaft als ganzer (vgl. Prop. 3,5,6,24,25,26..).
Da wir uns sehr wohl bewusst sind, dass unsere Berufung zum Minderbruder-Sein
ein Geschenk ist, wollten wir den verschiedenen Einzel-Überlegungen
und –Beiträgen einige grundsätzliche Gedanken gleichsam
als Vorspann vorausschicken: die Dreifaltigkeit als
Grundmodell gewaltloser Kommunikation, die Begegnungen
des hl. Franziskus mit dem Gekreuzigten in San Damiano
und mit dem Leprosen; die Faszination unseres Ordensvaters
durch die Schönheit und Herrlichkeit Gottes in der
Schöpfung und die Betroffenheit durch die Gegenwart
des Geistes in der Heilsgeschichte (vgl. Propostionen
1 – 6).
„Da
die Wahl der Minoritas als Lebensprogramm nicht eine
Wahl ist, die sich von Natur aus aufdrängt und zu
der man sich spontanerweise entscheiden würde“, unterstreichen wir mit der Proposition 31 den Wert der Betrachtung und Meditation:
“die Brüder und die Brüdergemeinschaften (sind) auf
eine dauernde Weiterbildung angewiesen. Nur so können
sie sich den Geist des Dienens und der Minoritas aneignen
und bewahren. Dieser nährt sich vom Gebet und von
der Kontemplation. Es ist dabei entscheidend, dass
wir gleichsam einen ‚kontemplativen Blick’ bekommen;
dazu verhilft vor allem die gemeinsame Übung des stillen
Gebets.“
Zum Schluss, liebe Brüder, möchten wir in Erinnerung rufen, dass der VII CPO
sich als Weiterführung und Ergänzung zum VI CPO versteht,
denn die Armut gelebt in Brüderlichkeit bliebe ohne
soziale Leuchtkraft, wenn ihr die Haltung der Minoritas
und Itineranz fehlte; es fehlte ihr gleichsam die
Seele.
Es liegt nun an uns allen, diese Vorschläge und Erfahrungen zu reflektieren,
zu studieren und anzuwenden, wohl unterschiedlich
je nach sozialem und kulturellem Umfeld der einzelnen
Gemeinschaften und dem Wirkungsfeld eines jeden Bruders.
Wir offerieren der Kirche und der Welt erneut das Geschenk, das uns Gott macht
mit der geistigen Erbschaft unseres hl. Ordensvaters
Franziskus. An ihn richten wir unser inständiges Gebet,
damit er uns helfe, mit dem allerheilgsten Segen
unseres Herrn, voranzuschreiten auf dem Weg der
Brüderlichkeit, gelebt in Armut, Mindersein und Itineranz.
Der Generalminister und sein Definitorium
Fr. John Corriveau
Fr. Aurelio Laita
Fr. Joseph Nacua
Fr. John Bednarik
Fr. Vincente Carlos Kiaziku
Fr. Jure Šarčević
Fr. Manoel Delson Pedreira da Cruz
Fr. Felice Cangelosi
Fr. Ephrem Bucher
Rom, 24. Juni 2004.
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VII. Plenarrat des Ordens
UNSER LEBEN
IN BRÜDERLICHKEIT UND MINDERSEIN
Assisi, 1. - 27. März 2004
PROPOSITIONEN |
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| GRUNDLEGENDES |
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| 1. Die Heiligste Dreifaltigkeit ist eine einzige Wirklichkeit; keine der göttlichen
Personen überragt in irgendeiner Weise die beiden
anderen. Auch wenn diese vollkommene Gleichheit
in Gott in den Beziehungen zwischen den Geschöpfen
nur unvollkommen zum Ausdruck kommt, so bleibt
sie doch Urbild und Modell, das uns Menschen
verstehen lässt, was es heisst, nach Gottes
Bild und Gleichnis (vgl. Gen 1,26) geschaffen
zu sein. Und sie ist auch das Ziel für die tiefsten
Sehnsüchte des menschlichen Herzens. |
„Du bist Demut!“ |
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| a. Die Demut öffnet die Herzen der Menschen, so dass sie ins Geheimnis der
göttlichen Beziehung eintreten können. Franziskus
bricht in seinem „Lob Gottes“ in den Ruf aus:
„Du bist die Demut!“ (LobGott 4). In der Tat:
Der dreieinige Gott ist wesentlich Beziehung,
d.h. freie Gemeinschaft von Personen ohne Herrschaft
und ohne Unterordnung. Auf Grund ihrer Gottähnlichkeit
verwirklichen auch die Menschen nach und nach
eine freie Gemeinschaft von Personen ohne Herrschaft
und ohne Unterordnung. Auf diesem Weg gelangen
sie langsam zur echtern Demut. Schöpfungsakt
Gottes und Taufe bringen uns in eine familiäre
Beziehung mit Gott; d.h. wir werden zu Söhnen
Gottes (vgl. Joh 1,10-13). Der hl. Bonaventura
sagt uns, dass Gott in der Inkarnation „sich
tief zu uns niederbeugt, um den Staub unserer
Natur hoch hinauf zu heben bis zur Einheit mit
seiner eigenen Person“ (Hl. Bonaventura, Predigt
zur Geburt des Herrn). |
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| b. Die Dreifaltigkeit ist die Grund-Beziehung, die die Kirche hervorbringt:
„Die ganze Kirche erscheint als das von der
Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes her geeinte Volk“(LG 4). „Wenn jemand
mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten;
mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu
ihm kommen und bei ihm wohnen“ (Joh 14,23).
Die wache Aufmerksamkeit für das, was Jesus
sagt, hat Franziskus dazu gebracht, das Evangelium
zum Fundament des Lebens seiner Brüdergemeinschaft
zu machen (vgl. NbReg 1,1-2; BReg 1,2). Das
evangelisch brüderliche Leben gründet in der
Treue zum Evangelium und führt uns in eine intime
Beziehung zur Dreifaltigkeit. |
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| c. Franziskus hat Gottes Schöpfungsplan, der alle Wesen als eine grosse Familie
von Schwestern und Brüdern gewollt hat (Bruder
Sonne, Schwester Mond usw.), in Liebe umfangen
(Sonn). Sich selber hat er stets „Bruder Franziskus“,
nie bloß „Franziskus“ genannt. Das machte deutlich,
dass er sich mit allen Geschöpfen tief verbunden
wusste. Gott rief ihn zu den Geschöpfen und
Franziskus fühlte sich berufen, in anfügsamer
Demut zerstörte Beziehungen wiederherzustellen(vgl.
Sonn 10-11 in Beziehung zu den anderen Strophen;
3 Gef XIV,58). |
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| 2. Die Minoritas entspringt bei Franz von Assisi der staunenden Betroffenheit
durch die Liebe Gottes. Gott hat nicht gezögert,
uns seinen Sohn zu schenken, der Mensch geworden
ist und in Gehorsam den Tod am Kreuz erlitten
hat. So hat er uns vom Bösen befreit und uns
den Zugang zum göttlichen Leben eröffnet (vgl.
Phil 2,6-8;BrGl II); er wurde ein Minderer
und allen untertan. Damit die ganze Schöpfung
zu Gott zurückkehre, hat das göttliche Wort,
dem Willens des Vaters gehorsam, seine Gottgleichheit
nicht eifersüchtig als sein Eigentum betrachtet,
sondern diese mit der menschlichen Natur vereinigt
und damit der Schöpfung Heilung gebracht, sie
versöhnt und befreit (vgl. Mt 9,13; 12,7; 2
Kor 8,9; Gal 1,4; Eph 3,6-9; Hebr 10,10). Diese
Selbstentäußerung und Verherrlichung des Sohnes
Gottes lebt fort im Sakrament, das die Kirche
selber ist und besonders ausdrücklich im Sakrament
der Eucharistie (vgl. Erm 1,16-22). Diese Demut
Gottes weckte in Franziskus das sehnsüchtige
Verlangen, alles zu verlassen und sich auf die
Nachfolge Jesu einzulassen. Zutiefst berührt
von Gottes Mitleid mit uns Menschen hatte er
die feste Überzeugung, dass allein in Gott unser
Heil besteht. Darum hat er sich selber zum Minderen
unter den Minderen gemacht, zu einem, der unterwegs
ist als Pilger und Fremder in dieser Welt (BReg
VI,1; Test 24). So hat er allen Menschen ein
Zeugnis gegeben für den Gekreuzigten und Auferstandenen
(BrOrd 9). Nach dem Beispiel des Franziskus
wollen wir uns bemühen, das Geheimnis unserer
Erlösung stets zu bedenken und zu wachsen in
Glaube, Hoffnung und Liebe, um Tag für Tag die
authentischen Wurzeln unserer Lebensweise und
unseres Auftrags in Kirche und Gesellschaft
von neuem zu entdecken. |
Franziskus,
minder und allen untertan, in der Nachfolge
Jesu |
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| a. Bei Franziskus gründet das Minder-und-allen-untertan-Sein nicht
in Menschenfurcht, auch nicht in psychischer
Unterwürfigkeit oder gar in der Weigerung, eigene
Verantwortung zu übernehmen. Im Gegenteil, diese
Haltung entspringt der Faszination durch die
Schönheit und Herrlichkeit Gottes, wie sie in
der Gestalt Jesu greifbar werden. Indem Franziskus
sich auf die Nachfolge Jesu und damit auf den
Weg des Minder- und Unterwegsseins einlässt,
macht er die befreiende Kraft der Liebe Gottes
sichtbar: Diese Liebe befreit von ängstlichen
Anhänglichkeiten, heilt die Verwundeten, tröstet
die Herzen und ruft auf zu neuer Freiheit. Auch
wir wollen Mindersein und Unterwegssein als
unsere befreiende Entscheidung wahrnehmen und
bekräftigen und so der Einladung Jesu Folge
leisten: „Wer der Erste sein will, soll der
Letzte von allen und der Diener aller sein“
(Mk 9,35). Machen wir die Erfahrung des Franziskus
zur unseren, gehen wir auf die „Aussätzigen“
unserer Zeit zu und bemühen wir uns darum, ihnen
„Barmherzigkeit“ zu erweisen. |
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| Wie Christus unter den demütigen Gestalten von Brot und Wein (vgl. Erm I,17)
die Menschen weiterhin zu einer grossen Gemeinschaft
zusammenführt, so werden wir durch die Wasser
der Taufe eins in Christus (vgl. 1 Kor 12,12-13.27),
schreiten auf dieser Erde mutig voran und erfüllen
im Heilen, Versöhnen, Befreien und Erlösen unseren
göttlichen Auftrag. |
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| b. „O wunderbare Demut, o staunenerweckende Armut!“ (4 Agn 20). Es ist dieser
Ruf, in den die Heilige Klara angesichts des
Mysteriums der Menschwerdung ausbricht. Wir
wollen den geistlichen Dialog mit allen franziskanischen
Schwestern, besonders mit denen des Zweiten
Ordens, pflegen. Durch gegenseitiges Geben und
Nehmen können wir gemeinsam heranwachsen zu
einer umfassenden und ausgeglichenen Sicht von
Minoritas und Itineranz. |
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| c. Franziskus weiß mit Maria, dass Gott auf die Demut seiner Diener schaut,
die Demütigen erhöht und die Mächtigen von ihren
Thronen stürzt (LegM VI,6). Blicken wir deshalb
auf die „Jungfrau, zur Kirche gemacht“ (GrMar
1), lernen wir von ihr den Geist der Demut und
leben wir treu und nachhaltig unsere Berufung
und Sendung in der Kirche und für die Welt.
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| 3. Als Mindere Brüder Kapuziner leben wir mitten in einer pluriformen Welt;
in ihr sind Kräfte am Werk, die eine dramatische
Geschichte von Ungerechtigkeit und menschlichem
Leid in Gang setzen. Zu diesen Kräften zählen
wir die unkontrollierte Macht der Wirtschaft,
des Militärs und der Technologie. |
Mindere wie Franziskus |
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| Keine der Gesellschaften, in denen wir Kapuziner leben, ist völlig frei von
Sünde und sündhaften Strukturen, die zerstörerische
Mächte erzeugen und am Leben erhalten. Sünde
und sündhafte Strukturen finden sich in allen
Bereichen unserer Welt; sie nisten sich ein
auch im Lebensstil, den wir pflegen, und bedingen
teilweise die Art der Beziehungen unter uns
Brüdern. |
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| Für Franziskus und seinen Weg der Bekehrung zur Minoritas ist die Begegnung
mit dem gekreuzigten Christus von San Damiano,
der ihm anschliessend im Aussätzigen wieder
entgegentritt, von höchster Wichtigkeit. Aufgrund
der Begegnung mit diesem verlassenen, von der
Gesellschaft und vom System seiner Zeit ausgegrenzten
und sich selber überlassenen Menschen „verließ“
Franziskus „die Welt“, wechselte seinen gesellschaftlichen
Standort, ging vom Zentrum von Assisi an die
Peripherie von Rivotorto und Santa Maria degli
Angeli und wurde auf diesem Weg ein Minderer
(vgl. Test 1ff; VI. Plenarrat 9). |
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| Nach dem Beispiel des hl. Franziskus möchten wir als Mindere Brüder, als
Pilger und Fremde in dieser Welt, ein evangeliumgemässes
Leben führen. Wir wissen dabei um die Größe
der Herausforderungen, vor welche die Komplexität
der gegenwärtigen geschichtlichen Situation
uns stellt. Doch setzen wir unser Vertrauen
auf die Gnade und Vorsehung Gottes, der sich
im Lauf der Geschichte immer wieder als ein
für sein Volk barmherziger Gott erwiesen hat.
Wir nehmen uns vor, allen Geschöpfen die frohe
Botschaft eben dieses Gottes zu verkünden. Gott
ist nicht Einsamkeit, sondern Liebe, und als
Liebe geht er aus sich hinaus und lädt alle
ein, mit ihm in Beziehung zu treten. Diese Einladung
beantwortend treffen wir die folgenden Entscheide: |
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• wir bekräftigen nicht nur als Einzelne, sondern auch als Institution unsere
Option für die Minoritas als einem wesentlichen
Charakteristikum unserer Identität als Mindere
Brüder Kapuziner;
• wir akzeptieren voll Freude Schwachheit, Unsicherheit und Verletzlichkeit
mit all dem, was diese nach sich ziehen, und
wir stellen uns bereitwillig in den Dienst in/an
allen unseren Strukturen und Institutionen;
• wir bemühen uns darum, in kleinen Schritten, aber nachhaltig, einen mehr
als symbolischen Standortswechsel vorzunehmen
in Richtung auf die Peripherie unserer heutigen
Gesellschaft; dort möchten wir unter den Minderen
von heute unseren Platz finden, genau so wie
Jesus, der hl. Franziskus und die ersten Kapuziner
zu ihrer Zeit es getan haben. |
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| 4. Armut, Minoritas und Itineranz gehören wesentlich zur Nachfolge Christi.
Sie sind auch Ausdruck franziskanischer Freiheit.
Sie stellen sich dar als Wege, auf denen wir
auf unser Ziel zugehen, d.h. den Aufbau des
Reiches Gottes, oder - in franziskanischer Redeweise
–die Errichtung einer brüderlichen Welt, wo
immer wir uns befinden. Armut, Minoritas und
Itineranz - gelebt in Brüderlichkeit und nach
Zeit und Ort entsprechend gestaltet -, helfen
uns Kapuzinern, uns freizumachen von den Auswirkungen
der strukturellen Sünde, von widersprüchlichen
Kräften in unserer eigenen Gemeinschaft, von
der Manipulation durch fremde Machtinteressen,
von der Unfähigkeit, Grenzen zu überwinden und
von anachronistischen Traditionen, die uns gefangen
halten können. So werden wir eine Brüdergemeinschaft
aufbauen, die auch im 21. Jahrhundert lebbar
ist. |
Franziskanische Freiheit |
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| 5. Als Menschen, die unterwegs sind, als
Pilger und Fremde in dieser Welt, holen wir
unsere Kraft aus dem Glauben an Christus, den
Herrn der Geschichte. Er wird am Ende der Zeiten
voll sichtbar werden; dann wird er alle nach
dem Gesetz der Liebe richten (vgl. Mt 25,31-46).
Wenn wir uns ausrichten auf diese letzte Vollendung,
dann entfremdet uns dies nicht der konkreten
Geschichte. Im Gegenteil, die Vollendung gibt
unserem Leben eine konkrete Ausrichtung und
macht uns frei vom Götzendienst an den Gütern,
die wir unmittelbar besitzen können. Der Blick
auf die Vollendung befreit uns von der narzisstischen
Versuchung des bloßen Scheins, des Erfolgs und
des Festhaltens an bereits erreichten Positionen.
Wir sind vielmehr dazu gedrängt, in unseren
Brüdern, besonders in den Bedürftigen, Christus
zu erkennen und ihm in ihnen demütig zu dienen.
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Itineranz
als Einbindung in die Heilsgeschichte |
| Wir wollen Franziskus nachahmen, der nichts auf dieser Welt sein „eigen“
nennen wollte, und so wachsen in einer vom Herzen
kommenden Verfügbarkeit gegenüber den Plänen
Gottes, die wir nicht vorhersehen können; er
ist größer als alle unsere Projekte. Wir wollen
allen bezeugen, welche Freude es ist, auf Gott
unsere Hoffnung zu setzen und wach uns den Bedürfnissen
der Menschen zuzuwenden. |
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| 6. Die Zeit des Franziskus war gekennzeichnet durch gewalttätige Auseinandersetzungen
um die soziale Vorherrschaft innerhalb der Gesellschaft.
Auch Franziskus lebte in dieser Atmosphäre der
Gewalt. Als Folge seiner Bekehrung aber wechselte
er seinen Standort, ging an die Ränder der Gesellschaft
von Assisi und wählte ein Leben unter den Kleinen
und Ausgegrenzten. In diesem Wechsel des Standorts
ist Franziskus intuitiv bewusst geworden, dass
in den zwischenmenschlichen Beziehungen die
innertrinitarische Liebe notwendigerweise aufscheint.
Es geht um eine Liebe als Beziehung von freien
Personen ohne Anspruch auf Vorrang und Privilegien.
Deshalb hat Franziskus wiederholt mutig sich
für die Minoritas entschieden und dadurch in
seine Beziehungen eine erlöste und befreite
Dimension hineingebracht: |
Unsere Optionen |
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• Autorität ohne Macht, die beherrscht,
• Dienst in echter Demut,
• brüderliche Beziehungen zur ganzen Schöpfung,
• ein Leben an der sozialen Peripherie. |
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| Unsere heutige Welt ist gekennzeichnet durch verschiedenartige Formen von
Herrschaft und Gewalt: |
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• ungerechte Konzentration des Volksvermögens bei wenigen, was eine große
Zahl von Wirtschaftsflüchtlingen hervorbringt,
• Überheblichkeit,
• narzißtische Beschäftigung mit der eigenen Selbstverwirklichung,
• Machtmißbrauch zu eigenem Nutzen, was zur Ausgrenzung der Armen und zur
Zerstörung der Umwelt führt,
• Verhältnisse, die von Herrschaft und sozialer Schichtung dominiert sind,
• Ethnozentrismus und religiöse Intoleranz,
• eine Kultur, die soziale Veränderungen mit Gewalt herbeiführen will. |
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| Die franziskanische Minoritas ruft heute nach kühnen Optionen zugunsten einer
brüderlicheren Welt: |
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• die Option für eine brüderliche Wirtschaftsweise, wo immer wir leben und
arbeiten (vgl. VI. Plenarrat, besonders 29-45),
• Beziehungen, die den Mitmenschen ins Zentrum stellen,
• Leitungsverantwortung und Pastoration, die auf Dienst und Partizipation
aller beruhen,
• eine Ethik der Gerechtigkeit, die davon ausgeht, dass wir alle Brüder und
Schwestern sind,
• ein neues Ernstnehmen des Dialogs im Geist des Franziskus (vgl. NbReg XVI,6-10).
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| LEBEN IN BRÜDERLICHKEIT UND MINORITAS |
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| 7. a. Der Eingebung Gottes folgend hat der heilige Franziskus nach dem Beispiel
der Lebensweise Christi und seiner Jünger eine
evangelische Lebensform begründet, die er ‚Brüdergemeinschaft’
nannte (Satz 83,5). Er wollte, dass diese Gemeinschaft
sich ‚Orden der Minderen Brüder’ nannte (1 Cel
38) und wechselte die ursprüngliche Bezeichnung
„Arme Mindere“ in „Mindere Brüder“ (vgl. Jordan
von Giano, Chronik 20), damit in der Kirche
und in der Welt das Bild des armen, demütigen
und dem Dienst an den Menschen, besonders den
Armen, ergebenen Christus noch deutlicher aufscheine
(vgl. Satz 8,2). |
Unserer Identität als mindere Brüder und die Konsequenzen |
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| Wir wollen unsere Option für ein brüderliches Leben in Minoritas leben als
ein Geschenk Gottes. Wir wollen der ganzen Kirche
und der Welt unser Vorhaben als ein wesentlich
evangelisches Anliegen anbieten. In einem Leben,
das sich an der brüderlichen und minoritischen
Identität ausrichtet, erkennen wir die Basis
unseres apostolischen Wirkens und die Primärgestalt
unserer evangelischen Sendung. Wir wollen durch
das Leben unserer Brüdergemeinschaft ein wirkliches
Zeugnis für eine umfassende Einheit in der Verschiedenheit
der Charismen und Dienste ablegen. |
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| b. Unser Gründer wollte, dass unter seinen Brüdern keiner ‚Oberer’ genannt
werde; alle sollten sich schlicht und ohne Unterschied
‚Mindere Brüder’ nennen (vgl. NbReg VI,3). |
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| Es ist die Minoritas, die unsere Brüdergemeinschaft heraushebt und unterscheidet.
Deshalb ist in unserem Orden kein Bruder ‚größer’
als der andere. Alle sind an Würde gleich; denn
alle haben an derselben Berufung zur Brüdergemeinschaft
teil. Deshalb „wollen wir alle, die Minister
und die anderen Brüder, aufrichtig und lauteren
Herzens unseren Weg gehen, untereinander herzlich
verbunden sein und in der Liebe des Geistes
einander freiwillig dienen und gehorchen“ (Satz
167,1). |
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| c. Aus diesen Grund hält der VII. Plenarrat mit allem Nachdruck fest: |
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• die eine, allen gemeinsame Profess auf die evangelische Brüdergemeinschaft
macht uns zu „Minderen Brüdern“ ohne jeden Unterschied;
• die Zirkumskriptionen, die örtlichen Brüdergemeinschaften und alle Brüder
müssen davon beseelt sein, den Primat des brüderlichen
Lebens in Minoritas als Primärgestalt unseres
apostolischen Wirkens zu leben;
• in der Amtsführung auf jeder Ebene muss die effektive Mitbeteiligung aller
Brüder gefördert werden;
• in allen Gebieten des Ordens müssen die Ernennungen und Wahlen für die verschiedenen
Dienste und Ämter allen Brüdern offen stehen,
ohne irgendwelche Beschränkungen und Vorbehalte
(vgl. Satz 84,5);
• kraft der Berufung der Brüder müssen alle notwendigen Tätigkeiten in unseren
Niederlassungen auf alle Brüder angemessen aufgeteilt
werden;
• die Grundausbildung in ihren verschiedenen Phasen muss für alle Brüder in
Ausbildung gleich und identisch sein; auch für
die Spezialausbildung müssen grundsätzlich für
alle die gleichen Bedingungen gelten;
• die Brüder sollen ermuntert werden, das Spannungsverhältnis von Einheit
und Verschiedenheit in unserer Brüdergemeinschaft
immer wieder ernsthaft zu überdenken;
• auf allen Ebenen soll die Reflexion über unsere Identität als Ordensinstitut
vertieft werden. Wir schreiben uns in der Kirche
ein als ein Institut, das sich weder klerikal
noch laikal versteht (vgl. Brief vom 18.9.1996
von Johannes Paul II. an den Generalminister,
AOFMCap 112 (1996) 565-566);
• die theoretische und prinzipielle Zustimmung zur Gleichheit aller Brüder
soll in die gelebte Praxis umgesetzt werden.
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| 8. Minoritas setzt voraus, dass wir die Gabe des Bruders anerkennen. Sie führt
uns zu einer gemeinsam verantworteten Teilhabe
aller Brüder an der Animation der Gemeinschaft.
Die Verantwortlichen müssen sich als treibende
Kraft verstehen, die das Projekt, das sich die
Gemeinschaft vornimmt, vorantreibt, damit es
Gestalt gewinne und zu einem wirksamen Instrument
des Wachstums im Leben und im Glauben der Brüder
werde. Der Guardian soll der Animator und Garant
dieses Projektes sein. |
Autorität und Animation |
| Im Übrigen haben die zuständigen Verantwortlichen dafür zu sorgen, dass die
ganze Zirkumskription in regelmäßigen Abständen
ihr Lebensprojekt überarbeitet und erneuert.
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| 9. Verzichten wir auf all die Privilegien, die uns auf Grund unserer Aufgaben,
unserer Ausbildung, des priesterlichen Amtes
oder irgendeines anderen Dienstes, den wir für
das Gemeinwohl oder das Volk Gottes übernommen
haben, zukommen könnten. In unserer Gemeinschaft,
in der wir uns dazu entschieden haben, Mindere
zu sein und eher zu dienen als bedient zu werden,
nennen wir uns nicht nur unterschiedslos alle
'Brüder', wir wollen es auch wirklich sein:
alle sollen wirklich teilhaben an den Entscheidungen,
die das Leben der Brüdergemeinschaft betreffen,
und allen soll in gleicher Weise der Zugang
zu den Transportmitteln, zu den Instrumenten
der Kommunikation und zu den anderen Arbeitsinstrumenten
offen stehen. |
Beitrag aller zur Brüdergemeinschaft |
| Auf der anderen Seite soll jeder Bruder seinen Beitrag zum Unterhalt unserer
Häuser leisten, ohne sich den Arbeiten im Haus
und den alltäglichen brüderlichen Verrichtungen
zu entziehen. Wenn dieser persönliche Beitrag
in manchen Fällen auch bescheiden und symbolisch
ausfallen mag, so ist er für die Gemeinschaft
gleichwohl unentbehrlich und ein Beweis gegenseitigen
Dienens und wahrer Brüderlichkeit. |
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| 10. Als Gemeinschaft von Minderen Brüdern sollen wir die Betonung eher auf das
legen, was verbindet, denn auf das, was trennt.
Machen wir konkrete Anstrengungen, um alle in
die Gemeinschaft zu integrieren und um so zu
verhindern, dass der Ethnozentrismus in unseren
Brüdergemeinschaften Wurzeln fasse. Wo und wie
wir uns auch immer engagieren, unsere Engagements
sollen gekennzeichnet sein von einer ernsthaften
Akzeptanz der anderen Brüder, unabhängig von
ihren individuellen Eigenschaften und ihrer
persönlichen Geschichte. |
Offenheit für die andern Brüder |
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| 11. Das Hauskapitel, vor allem wenn es regelmäßig abgehalten wird, ist ein vorzüglicher
Ort, wo unser brüderliches Leben in Minoritas
zum Ausdruck kommt. Im Hauskapitel bemüht sich
ein jeder, wach auf den Bruder hinzuhören. Die
Brüdergemeinschaft als Ganze sucht in einer
Haltung der Mitverantwortung, des Dialogs, des
rücksichtsvollen Gehorsams und entsprechend
einem franziskanischen Autoritätsverständnis
Mittel und Wege, als Gemeinschaft im Sinne des
Evangeliums zu wachsen. Um diese franziskanischen
Akzente unseres Lebens möglichst zu entfalten,
laden wir dazu ein, in regelmäßigen Abständen
die implizit in unseren Gemeinschaften gegebenen
Machtstrukturen zu hinterfragen: |
Das Hauskapitel |
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• Der Einfluß, der sich auf Grund eines Amtes ergibt, das man einmal innegehabt
hat;
• die Gewandtheit im Sprechen;
• die Nötigung anderer Brüder durch boykottierendes Verhalten usw. |
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| Das Hauskapitel fördert zudem den Geist der Itineranz, wenn es sich für neue
Horizonte öffnet und wenn es sich bewusst wird,
in welchem Sinn die Präsenz der eigenen Gemeinschaft
für die Menschen vor Ort von Bedeutung ist. |
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| 12. Die Zusammenarbeit im Team macht eine der Gestalten der Minoritas aus. Sie
ist eine einfache und jeden Tag mögliche Form
von horizontaler Autorität. In ihr können sich
alle als gleichwertige Brüder erfahren. Zusammenarbeit
im Team soll auf allen Ebenen der Brüdergemeinschaft
praktiziert werden. |
Arbeit im Team |
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| 13. Der Orden ist und versteht sich als eine weltweite Brüdergemeinschaft, der
die einzelnen Brüder über ihre Provinzen oder
andere Formen von Zirkumskriptionen angehören.
Es muss uns daran liegen, jede Form von Provinzialismus
zu überwinden und uns in einem globalisierten
Umfeld, wie es das unsere ist, mit hohem Realitätssinn
zu bewegen. Dazu ist es wichtig, dass wir uns
für den internationalen Horizont unserer Brüdergemeinschaft
öffnen. Im Besonderen wollen wir uns bereitwillig
für jede Zusammenarbeit über die Grenzen der
eigenen Provinz hinaus bereit halten, und das
nicht nur im Bereich der Grundausbildung. |
Internationaler Horizont |
| Die Zusammenarbeit zwischen den Zirkumskriptionen soll auch nicht nur vom
Personalmangel diktiert sein. Sie bildet einen
Wert für sich, weil sie die Dimensionen der
Brüdergemeinschaft erweitert und zudem einen
konkreten Ausdruck von Minoritas und Itineranz
darstellt. |
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| Ein wirksames Mittel der Zusammenarbeit zwischen den Zirkumskriptionen stellt
der Personalaustausch dar oder das Errichten
von interprovinziellen Brüdergemeinschaften. |
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| In analoger Weise können Initiativen der interfranziskanischen Zusammenarbeit
als passende und aktuelle Ausformungen von Minoritas
und Itineranz gewertet werden. Gedacht ist an
die Zusammenarbeit mit anderen Brüdern des 1.
Ordens und des TOR, mit den Klarissen und den
anderen franziskanischen Brüdern und Schwestern.
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| Öffnen wir uns auch für die Zusammenarbeit mit Laien, vor allem mit den Brüdern
und Schwestern der Franziskanischen Gemeinschaft
und der Franziskanischen Jugend. |
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| 14. Unser Orden hat bezüglich der personellen Solidarität große Fortschritte
gemacht. Der VII. Plenarrat empfiehlt, diese
solidarische Haltung weiterhin zu pflegen. Besonders
an den Peripherien und Rändern der Gesellschaft
sollen sich provinzielle und interprovinzielle
Brüdergemeinschaften bilden, überall dort, wo
das „System“ Arme, Migranten, Flüchtlingen usw.
in großer Zahl hervorbringt. |
Personelle Solidarität |
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| 15. In verschiedenen Zirkumskriptionen des Ordens leben die Brüder eine ganz
eigene Form von Armut, die sich durch die Überalterung
der Brüder, den geringen Nachwuchs und ein indifferentes
oder gar antiklerikales Umfeld ergibt. |
Gefährdete Zirkumskriptionen |
| Wir ermutigen die Brüder, ihre Lebenssituation gläubig anzunehmen und sie
als konkreten Ausdruck unserer Option für ein
Leben in Minoritas zu bestehen. Auf der anderen
Seite fordern wir sie auf, neue Projekte zu
erarbeiten, die den eigenen personellen Möglichkeiten
und der gegebenen pastoralen Situation entsprechen.
Für die Verwirklichung solcher Projekte sollen
sie auf die internationale personelle Solidarität
zählen können. |
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| 16. Als Jünger Jesu sind wir gehalten, die Frohe Botschaft auch mitten unter
Prüfungen und Verfolgungen (vgl. Mt 24,9) zu
verkünden. Deshalb ermutigen wir unsere Brüder,
die in Gebieten leben, wo der christliche Glaube
nur von einer kleinen Minderheit geteilt wird,
dass sie nicht müde werden, für das Evangelium,
gleichsam als Sauerteig in einer grossen Menge
Mehl (vgl. Lk 13,21), Zeugnis abzulegen. Sie
sollen es tun durch ihr Beispiel und ihr Wort
und im Geist der Minoritas, der auch Franziskus
vor dem Sultan beseelt hat. |
Brüder in schwierigem Umfeld |
| Unsere Brüdergemeinschaft verpflichtet sich, jenen Brüdern beizustehen und
sie zu unterstützen, die in Staaten leben, wo
die religiöse Freiheit nicht garantiert ist,
wo religiöse Intoleranz zunimmt und religiöser
Fundamentalismus rasch um sich greift. |
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| 17. Um unsere Berufung als Brüder und die Bedeutung des Ordenslebens für die
Kirche gebührend zur Geltung zu bringen, soll
die Ewige Profess mit angemessener Feierlichkeit
begangen werden. Die Feier zeichne sich aus
durch einen nüchternen Stil und Echtheit der
Symbolik, wie sie der Liturgie eigen sind und
auch der franziskanischen Armut entsprechen.
(vgl. Römisch-Seraphischer Ritus der Ordensprofess,
75). |
Feier der Ewigen Profess |
| Dasselbe gilt für die Priesterweihen und andere wiederkehrende Feiern der
Brüdergemeinschaft. |
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| AUTORITÄT ALS DIENST |
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| 18. Das Wort Gottes erleuchtet und inspiriert die Entscheidung des Kapuziners,
nach dem Ideal er Minoritas zu leben. Hörend
auf dieses Wort Gottes erfahren wir, dass wir
über keine Macht verfügen sollen, die Herrschaft
ausübt (vgl. Mk 9,33-37; NbReg V,12-15), und
dass Dienstbereitschaft die angemessene Haltung
jener ist, die in Jesus den Knecht und Diener
sehen (vgl. Lk 22,24-27). So lehrt uns das Evangelium,
uns mit denen am Rand der Gesellschaft zu identifizieren
(vgl. Mt 25,31-46) und mit ihnen in kluger Weise
jede Art von Gütern zu teilen (vgl. Röm 15,27).
Der rechte Gebrauch von Macht zeigt sich im
„authentischen Selbstopfer“, das der vollzieht,
der die tiefe Erfahrung Jesu teilt (vgl. Röm
12,1). |
Autorität - von Gott gewollt |
| Die modernen Sozialwissenschaften haben den Beweis erbracht, dass es gerade
die nicht-symmetrischen sozialen Beziehungen
sind, die es verunmöglichen, dass eine Gruppe
oder Gesellschaft ohne Machtausübung auskommt.
Jesus aber hat seinen Jüngern beigebracht, dass
bei ihnen nicht die einen über die anderen herrschen
sollen, wie es die Herrscher der Welt tun (vgl.
Mt 20,25; Mk 10,42-45; Lk 22,24-27; 1 Petr 5,3).
Entsprechend schreibt auch Franziskus in der
Regel, dass die Brüder keine Macht und Herrschaft
ausüben sollen (vgl. NbReg V,12-15). |
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|
| 19. Obwohl Franziskus sich seiner persönlichen Verletzbarkeit bewusst war, wagte
er, mit jeder Person und jedem Geschöpf in Beziehung
zu treten. Im Umgang mit der Macht legen wir
Kapuziner den Akzent eher auf den Aufbau von
Beziehungen als auf deren greifbare Effizienz.
Der Umgang mit Macht ist deshalb von den folgenden
Eigenschaften gekennzeichnet: |
Umgang des Kapuziners mit der Macht |
|
• Er ist nicht exklusiv, d.h. er bezieht alle Personen, die von einer Entscheidung
betroffen sind, mit ein;
• Er ist partizipativ, d.h. alle Betroffenen haben das Recht, ihre eigene
Meinung einzubringen;
• Er ist gerecht, d.h. die endgültige Entscheidung trägt in ausgewogener Weise
den Bedürfnissen aller Betroffenen Rechnung;
• Er ist gekennzeichnet durch den Dialog und den entschiedenen Willen, eine
wenn immer möglich einvernehmliche Entscheidung
herbeizuführen;
• Er verzichtet auf Gewalt. |
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| All diese Eigenschaften ergeben zusammen genommen ein Modell, das auch andere
Menschen und Gruppen übernehmen können. |
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| 20. Unsere Satzungen (Satz 156 - 157) halten vier Beweggründe fest, die in der
Welt und auch in unserem Orden die Ausübung
von Autorität begründen und leiten: |
Autorität gemäß den Satzungen |
|
• Der Dienst an den andern;
• Die Übereinstimmung zwischen dem, was wir sagen, und dem, was wir tun.
• Die wache Aufmerksamkeit für die anderen;
• Die Autoritätsträger, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind. |
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| Die Satzungen empfehlen in der Ausübung von Autorität ein graduelles Vorgehen.
Die Brüder sollen erst dann sich auf die formelle
Autorität berufen, wenn alle anderen Möglichkeiten
ausgeschöpft sind. |
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| |
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| 21. Uns allen sind die Ermahnungen des Franziskus (vgl. Erm III und IV),
der Brief an einen Minister und das Schreiben
für Bruder Leo bekannt. Darum steht uns
vor Augen, dass die Ausübung des brüderlichen
Dienstes der Leitung eine ständige Herausforderung
darstellen muss, sowohl für den einzelnen Bruder
wie für die Brüdergemeinschaft; denn wir leben
eine Freiheit, die sich immer mehr auf die Nachfolge
Jesu einlässt. Es ist Aufgabe des brüderlichen
Leitungsdienstes dafür zu sorgen, dass die Brüder
im Leben der Gemeinschaft ihre persönliche Verantwortung
aktiv wahrnehmen, dass die Einheit und die Gemeinschaft
unter den Brüdern gewahrt und gefördert wird
und dass die Begabungen, die sich unter uns
finden, ernst genommen werden. Die gegenseitige
Liebe der Brüder zueinander, die auch jene einschließt,
die sich irgendwo auswärts begegnen, soll vom
Leitungsdienst Aufmunterung erhalten: Die Brüder
sollen in der Nachfolge des demütigen und armen
Christus bestärkt werden. |
Die Aufgabe des brüderlichen Dienstes der Autorität |
| Damit diese Ziele auch wirklich erreicht werden, fördern die Minister in
jeder Weise die gemeinsame Spurensuche nach
dem Willen Gottes. Dazu verhelfen das Übernehmen
von Mitverantwortung, brüderlicher Dialog, gemeinsame
Planung und Zielsetzung, Subsidiarität und Solidarität.
|
|
| Ein unentbehrliches Instrument für diese gemeinsame Wahrheits- und Entscheidungsfindung
ist das Hauskapitel. Darüber hinaus sollen die
Brüder in der Leitung ein waches Ohr für jeden
einzelnen Bruder haben und dem persönlichen
Weg eines jeden mit Respekt begegnen. Sie mögen
an die Worte denken, mit denen Franziskus den
brüderlichen Leitungsdienst umschrieben hat:
Aufsuchen, Ermahnen, Aufmuntern und Zurechtweisen
(vgl. BReg X,2ff). |
|
| Die Brüder, denen der Dienst der Autorität übertragen ist, sollen in jeder
Hinsicht Minister und Diener der Brüder sein.
Sie sollen die Beziehungen unter den Brüdern
nicht beherrschen wollen und auch jede Parteilichkeit
meiden. Im Geist des gegenseitigen Dienens sollen
sie sich ihr jeweiliges Amt nicht als Besitz
aneignen; durch ihr tatsächliches Verhalten
sollen sie deutlich machen, dass sie sich von
einer gesunden inneren Distanz zur eigenen Amtsrolle
leiten lassen. Erst eine derartige Einstellung
ermöglicht uneigennützigen Dienst. Dabei sollen
sie beherzigen, was Franziskus gesagt hat (vgl.
Erm IV). |
|
| Deshalb gehört es zum Geist der Minoritas, dass die Minister ein positives
Verhältnis gewinnen zur Verletzlichkeit in den
Beziehungen unter den Brüdern. Wir schlagen
darüber hinaus vor, dass Amtsbezeichnungen,
die mit dem Evangelium, dem Ideal der Minoritas
und dem brüderlichen Charakter unseres Ordens
(Laienbrüder/Priester) nicht vereinbar sind,
namhaft gemacht und allenfalls ersetzt werden. |
|
| |
|
| 22. Unabhängig von dem, wer wir sind und
welche Position wir innehaben, jeder von uns
verfügt in je verschiedener Weise über Macht.
Macht kann eine positive Funktion ausüben, kann
animieren, Kreativität in Gang setzen und sich
in den Dienst der anderen stellen; Macht kann
sich aber auch korrumpieren lassen und damit
destruktiv werden. |
Wenn
Macht in Unterdrückung ausartet |
| Die Herrschaft über andere und deren Ausbeutung führt zu negativen Folgeerscheinungen
nicht allein auf der physischen, sondern auch
auf der psychologisch-emotionalen Ebene. Besonderes
die Verletzungen und Traumatisierungen in diesem
Bereich sind oft so schwerwiegend, dass sie
kaum geheilt werden können: |
|
|
• Bewusst gesetzte Akte physischer Gewalt, entwürdigende Sprache, direkte
oder indirekte Drohungen gehören nicht zum Lebensstil
des Minderen Bruders;
• Die sexuelle Ausbeutung und Ausnützung eines anderen Menschen ist eine schwerwiegendere
Verfehlung gegen die franziskanische Minoritas
als gegen die Keuschheit;
• Indem wir die Darstellung von Sex und Gewalt als mögliche Formen der Unterhaltung
akzeptieren, beteiligen wir uns als passive
Täter an der Erniedrigung und Unterdrückung
anderer Menschen. |
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| 23. Unser evangelisches Leben als „Mindere Brüder“ lässt sich nur glaubwürdig
bestehen, wenn unsere Brüdergemeinschaften bereit
sind zu mutiger Selbstkritik, und wenn sie in
aller Demut Missbrauch von politischer, religiöser
und ökonomischer Macht klar als solchen benennen.
Missbrauch von Macht kommt durchaus auch in
unseren Gemeinschaften vor. Missbrauch von Macht
manipuliert die berechtigten Wünsche und Interessen
der Brüder und zerstört die Beziehungen „von
Mensch zu Mensch“. Privilegien und Ehren, wirtschaftliche,
steuerliche und andere Vorteile können für die
Brüder zu gefährlichen Verführern werden. |
Macht als geheimer Verführer |
| |
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| ITINERANZ, MINORITAS UND STRUKTUREN |
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| 24. Unsere Berufung gründet in der Nachfolge Christi und seiner Apostel. Diese
haben auf jeden Anspruch auf irgendeinen Ort
verzichtet, weil sie überall mit Grossmut, ungehindert
und frei das Reich Gottes verkünden wollten
(vgl. Mt 8,20; Lk 9,58). Die Unbeweglichkeit
(Immobilismus) einiger unserer Brüder untergräbt
von Grund auf unsere Berufung und Sendung in
der Kirche und in der Welt. |
Formen der Unbeweglichkeit |
| Unbeweglichkeit ist nicht nur eine „physische“ Angelegenheit. Eine viel radikalere
Form von Immobilismus zeigt sich in Denkgewohnheiten
und Vorurteilen. Diese erweisen sich oft als
Hindernisse für eine wahre Bekehrung. Zu Hindernissen
können auch werden: ein rigides, systemfixiertes
theologisches Denken, mangelnde geistige Beweglichkeit
und theologischer Fundamentalismus; diese können
eine wirkliche Begegnung mit Gott „außerhalb
des Lagers“ (Ex 19,17; 33,7-11) verhindern.
|
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| 25. Franziskus hat sich vom Wanderleben
Jesu und seiner Apostel inspirieren lassen und
ist ihrem Beispiel gefolgt. In Treue zu Franziskus
wollen wir unserer Itineranz Ausdruck geben,
indem wir bewusst auf feste und garantierte
Machtpositionen verzichten und jene Aufgaben
wählen, die auch gewöhnlichen Leuten und den
Ärmsten zugänglich sind. Wir werden uns in der
Brüdergemeinschaft klar werden und dann auch
entscheiden, welche Positionen wir aufgeben
müssen, weil sie die Gefahr des Sich-Aneignens,
der Überheblichkeit und Selbstinszenierung in
sich bergen. Eine derartige Entscheidung wird
sich günstig auf unser Leben als Brüdergemeinschaft
auswirken und ermöglicht den einzelnen Brüdern
einen persönlichen Reifeprozess: Sie können
neue Beziehungen knüpfen und neue Verantwortlichkeiten
übernehmen. |
Itineranz
als Loslassen von Macht und Positionen |
| Auf diese Weise werden wir Anteil haben an der Kirche als dem wandernden
Volk Gottes, so wie Christus sie gewollt hat.
|
|
| Getragen vom Glauben und offen auf Hoffnung hin, standen die ersten Kapuziner
den Bedürftigen und den Allein-Gelassenen immer
nahe. Wir wollen diese gesunde Tradition unserer
Vorgänger weiterführen und nehmen uns als unsere
Aufgabe und unseren Auftrag der ‚Neuevangelisation’
vor, dass wir an der Seite der Armen leben,
auch wenn dies das Aufgeben von bisherigen Strukturen
bedingt, weil diese unserem eigentlichen Ideal
nicht entsprechen. |
|
| |
|
| 26. Wir sind uns bewusst, dass gelebte Minoritas unsere Beziehungen zu den einfachen
Leuten unserer Zeit enger und gerechter machen
wird. Deshalb sind alle Brüdergemeinschaften
gehalten, sich ernsthaft mit der Revision ihres
Lebensstils auseinanderzusetzen. Die Gemeinschaften
sollen das Schwergewicht legen auf eine effiziente
Solidarität und dabei jegliche Wegwerfmentalität
sowie den übertriebenen Gebrauch von Autos und
anderen modernen Technologien vermeiden. Wir
wollen uns immer wieder fragen, ob das, was
wir besitzen, tatsächlich notwendig ist für
die Sendung, die sich aus unserem Charisma ergibt. |
Revision des Lebensstils |
| |
|
| 27. Wenn wir erst zu einem klaren Bewusstsein bezüglich des sozialen Umfelds
unseres Lebens gelangt sind, kommen wir nicht
darum herum, die Strukturen, in denen sich unsere
Minoritas faktisch ausdrückt, kritisch zu hinterfragen.
Es sei daran erinnert: Unsere Strukturen sollen
einfach sein, flexibel, überschaubar und nichts
zu tun haben mit Herrschaft, Geld und Prestige.
Der Mindere Bruder versteht es, im Vorläufigen
zu leben. |
Revision der Strukturen |
| |
|
| a. Wir wollen die konkreten Strukturen, über die wir verfügen, selbstkritisch
befragen: Kirchen, Klöster, Gärten und kulturelle
Güter. Überlegen wir, ob die Art und Weise,
wie wir mit diesen Gütern umgehen, tatsächlich
unserer Berufung als Brüder in Minoritas und
Itineranz entspricht. Wenn diese Güter größer
sein sollten als die wirklichen Bedürfnisse
der Brüdergemeinschaft, und wenn sie für die
Gemeinschaft unverhältnismäßig großen Aufwand
bedingen, dann sollen wir nach Lösungen suchen,
wie wir diese Güter einer allfälligen neuen
Nutzung für die Kirche, für die Armen oder für
die Gesellschaft zuführen könnten. Möglich scheinen
uns je nach örtlichen Gegebenheiten und Umständen
Lösungen wie Übertragung der Nutzung von Gütern
auf Zeit, Verkauf oder Schenkung. |
|
| |
|
| b. Eine praktische Konsequenz unseres Lebens in Minoritas und Itineranz kann
sein, dass wir kleine Niederlassungen an der
Peripherie wählen, besetzt mit einer überschaubaren
Anzahl von Brüdern, die von ihrer eigenen Arbeit
leben. |
|
| |
|
| c. Selbstverständlich soll man Sorge tragen und jene Kulturgüter schützen,
die wegen ihrer historischen Bedeutung für unsern
Orden identitätstiftend sind. |
|
| |
|
| |
|
| AUSBILDUNG ZU MINORITAS UND ITINERANZ |
|
| |
|
| 28. Die Kandidaten für unser Leben sollen von der ersten Kontaktnahme mit dem
Orden an klar darüber informiert werden, dass
wir uns als eine Gemeinschaft von gleichberechtigten
Brüdern verstehen, die sich sowohl der Minoritas
wie der Itineranz verpflichtet weiß. Sie sollen
dazu angeleitet werden, diese Ausrichtung unseres
Ordens von Anfang an zu leben. |
Kandidaten und Minoritas |
| |
|
| 29. Wie Franziskus über die Begegnung mit dem Aussätzigen in der Erkenntnis Gottes
gewachsen ist, so sieht die Grundausbildung
vor, dass die jungen Brüder in den Bereichen,
in denen wir präsent sind, in einen konkreten
Kontakt mit den „Aussätzigen“ unserer Zeit kommen:
mit den Kranken, mit den Armen und den Randständigen
jeder Art. |
Grundausbildung / nützliche Erfahrungen |
| Im Rahmen des Möglichen kann eine zeitlich beschränkte Erfahrung im Umgang
mit Lohnarbeit hilfreich sein, um die Leute,
die durch Lohnarbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten
und in deren Nähe wir vor allem leben wollen,
besser verstehen zu können. |
|
| Zu einer vollständigen Grundausbildung können auch Perioden missionarischen
Einsatzes beitragen. Studien- und Arbeitsaufenthalte
in einer anderen als der eigenen Zirkumskription,
besonders in armen Gebieten, helfen dem Bruder,
der die Grundausbildung durchläuft, seine Erfahrung
von Itineranz und sein Bewusstsein der Zugehörigkeit
zu einem weltumfassenden Orden zu vertiefen. |
|
| Von Beginn der Grundausbildung an sollen dem Kandidaten die zwei Möglichkeiten
des Laien- und des Priesterbruders klar vor
Augen gestellt werden, beide als notwendige
und gleichwertige Verwirklichungen des einen
und einzigen franziskanisch-kapuzinischen Charismas.
Die Konferenzen können Programme für die Grundausbildung
festlegen, die den Laien- und den Priesterbrüdern
gemeinsam sind. |
|
| |
|
| 30. Minoritas und Itineranz sind unabdingbare Elemente unserer franziskanischen
Berufung und als solche ständige Begleiter unseres
brüderlichen Lebens. Darum soll die Weiterbildung
diese Werte nachhaltig vertiefen und zu konkreten,
hautnahen Begegnungen mit den Menschen und den
Armen verhelfen, und das nicht nur auf der Ebene
des Wissens und des kulturellen Austauschs.
Es macht deshalb Sinn, wenn jeder Bruder in
regelmäßigen Abständen sich um eine gesunde
Erneuerung seiner Identität als Ordens- und
als Berufsmann bemüht: Er kann das tun in verschiedenen
Formen von Dienst an den Leidenden, im Teilen
des Lebens mit den Randständigen oder durch
einen Einsatz in einem anderen als dem eigenen
pastoralen Umfeld. Solche Erfahrungen zu machen,
ist auch in den Missionen oder in anderen Zirkumskriptionen
möglich. |
Weiterbildung im Blick auf Minoritas und Itineranz |
| Die Weiterbildung wird sich auch um die franziskanische Ausrichtung unseres
Gebetslebens bemühen. Wir beten als wahre Mindere
Brüder, wenn wir unser Beten mit dem Volk teilen,
und wenn wir es verstehen, das Gebet den konkreten
Umständen anzupassen. Wir tun es, wenn wir uns
um angemessene kulturelle Formen bemühen und
Gott die Freuden und Hoffnungen, die Leiden
und Sorgen unserer Zeitgenossen vortragen (Vgl.
Gaudium et spes 1). |
|
| |
|
| 31. Da die Wahl der Minoritas als Lebensprogramm nicht eine Wahl ist, die sich
von Natur aus aufdrängt und zu der man sich
spontanerweise entscheiden würde, sind die Brüder
und die Brüdergemeinschaften auf eine dauernde
Weiterbildung angewiesen. Nur so können sie
sich den Geist des Dienens und der Minoritas
aneignen und bewahren. Dieser nährt sich vom
Gebet und von der Kontemplation. Es ist dabei
entscheidend, dass wir gleichsam einen ‚kontemplativen
Blick’ bekommen; dazu verhilft vor allem die
gemeinsame Übung des stillen Gebets. |
Ausbildung zur Kontemplation in Minoritas |
| Der Weg der ersten Kapuziner an die Peripherie war getragen von der Kontemplation
und von einem Schweigen, das sich auf die Welt
hin öffnet. Der Mindere Bruder ist einer, der
betrachtend einen Gott vor Augen hat, der sich
in der Krippe, am Kreuz und in der Eucharistie
zu einem Minderen gemacht hat und der seine
Schwestern und Brüder - vor allem die ärmsten
- und die ganze Schöpfung nie aus den Augen
lässt. |
|
| Die Einsiedelei, die für die ersten Kapuziner immer an der Grenze der Siedlungen
ihren Ort hatte, ist nicht ein Ort, wo wir uns
vom Leben abwenden, sondern sie ist der Ort,
wo wir einen umfassenderen Blick auf die Wirklichkeit
gewinnen; denn wir betrachten die Wirklichkeit
aus dem Blickwinkel Gottes und aus dem der Armen.
|
|
| Wir wünschen deshalb in unserem Orden die Förderung einer franziskanisch-kapuzinischen
Kontemplation: |
|
|
• die im Gefolge der Tradition des Franziskus die Minoritas Gottes zum Gegenstand
ihrer Kontemplation macht, und zwar als pädagogisches
Paradigma für die Evangelisation;
• die der Wirklichkeit entspringt und uns zum Handeln hinführt (mitleidende
Liebe und internationales Mitleiden);
• die nicht Worte macht, sondern der Ort ist, wo wir Gott im Wort des Evangeliums
und in den Armen vernehmen. |
|
| |
| |
| |
|
| Deshalb wollen wir es so halten: |
|
|
• die Förderung durch die dauernde Fort- und Weiterbildung helfe uns, in aller
Demut zu erkennen, wie sehr wir es nötig haben,
den Weg der Kontemplation von Grund auf neu
kennen zu lernen;
• jede Konferenz des Ordens schaffe Gelegenheiten und Raum, wo die Kenntnis,
die Praxis und die Liebe zur franziskanischen
Kontemplation wachsen kann;
• auf den Hauskapiteln spreche man davon, wie wir unsere Zeit einsetzen, und
von den Tätigkeiten, die wir allenfalls einschränken
könnten, um für das kontemplative Gebet die
nötige Zeit zur Verfügung zu haben;
• gemäß unserer Tradition legen wir besonderes Gewicht auf die Meditation
des Geheimnisses der Inkarnation und des Kreuzes;
• die eremitischen Erfahrungen sollen bei uns aber nicht einen monastischen
Lebensstil fördern, sondern sollen uns mitten
im Leben den Zugang zu einem kontemplativen
Blick auf die Welt eröffnen. |
|
| |
| |
| |
| |
| |
|
| 32. Das Leben in Brüderlichkeit ist die fundamentale Voraussetzung für den ganzen
Prozeß der Bildung und Ausbildung (vgl. Satz
23,4-5). Dieser nur zu leicht störbare Prozeß
der Formung ist in Frage gestellt, wenn wir
gleichsam eine doppelte Moral gelten lassen:
Eine, die wir als Unterweisung weitergeben,
und eine, die die faktischen Lebensvollzüge
in einem bestimmten Gebiet des Ordens regelt.
Wenn das zutreffen sollte und wenn gar die Gelübde
und die Priesterweihe als bloße Stufen und Schritte
auf die persönliche Selbstverwirklichung und
auf eine privilegierte Stellung hin verstanden
werden, dann ist der Ausbildungsprozess wirklich
gefährdet, sollten doch diese verschiedenen
Schritte Stufen sein zu einem vertieften Engagement
und zu einer umfassenderen Großherzigkeit. Darum
unterstreichen wir, wie wichtig es ist, dass
unser Lebensstil übereinstimmt mit dem, was
wir den Jungen in der Ausbildung sagen. |
Übereinstimmung von Leben und Lehre |
| |
|
| 33. Zur Festlegung unserer Optionen im sozialen Bereich und zur Stärkung unserer
Präsenz unter den Armen soll in allen unseren
Gemeinschaften die Kenntnis der Soziallehre
der Kirche gefördert werden. Dazu sollen in
der Grundausbildung und in der Aus- und Weiterbildung
spezielle Bildungsangebote gemacht werden. |
Kenntnis der Soziallehre der Kirche |
| |
|
| 34. Alle Zirkumskriptionen sollen sich um eine herzhafte Umsetzung der Propositionen
des VII. Plenarrats bemühen. Zu diesem Zweck
soll man im Rahmen der Grundausbildung und in
der Fort- und Weiterbildung Veranstaltungen
planen und durchführen, die für das Anliegen
sensibilisieren und zugleich konkrete Erfahrungen
vermitteln. |
Der VII. Plenarrat als Motor der Bildung |
| |
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|
| UNSERE MINORITAS IN DER KIRCHE |
|
| |
|
| 35. Zum Aufbau der Kirche hat das Volk Gottes viele unterschiedliche Gaben erhalten
(vgl. 1 Kor 14,26; Eph 4,7.11-12). Die Priester
sind dazu berufen, in der Kirche den Dienst
der Einheit zu versehen, ohne dass sie deswegen
über den Glauben der Menschen verfügen könnten.
Im Gegenteil: Sie sollen Diener ihrer Freude
sein (2 Kor 1,24; 1 Petr 5,3). Die Eucharistie,
Quelle und Höhepunkt unseres religiösen Lebens
(vgl. LG 11; Satz 47,1), hilft uns, den tieferen
Sinn des Dienstes des ordinierten Priesters
in unserem Minderbrüder- Orden zu begreifen.
|
Der Priester: Minister und Diener in der Kirche |
| Die Eucharistie steht nicht in der Verfügungsgewalt einzelner Menschen, sie
steht Christus allein zu, an dessen Priestertum
alle Gläubigen aktiv teilhaben. In der eucharistischen
Versammlung handelt der Priester im Namen und
Auftrag des Hauptes Christus (vgl. LG 10.28;
PO 2; SC 33). Das Johannesevangelium zeigt uns
Christus als ein Haupt, das sich tief bückt
und die Füße der anderen wäscht: „Wenn nun ich,
der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen
habe, dann müsst auch ihr einander die Füße
waschen“ (Joh 13,14; vgl. NbReg VI,3; Erm IV,2).
Das Beispiel Christi, der sich so weit erniedrigt
hat, dass er sich in der Eucharistie in unsere
Hände gibt (vgl. Erm 1,16-19; BrOrd 26-29),
sollte alle Priester dazu anleiten, sich selber
gering zu machen und den andern zu dienen (vgl.
BrOrd II,28). Diese Haltung, die Christus nachahmt,
lädt die Brüder Priester unseres Ordens dazu
ein, in ihrem Dienst am ‚Altar des brüderlichen
Lebens’ selber demütig und minder zu sein. |
|
| |
|
| 36. „Der Herr gab mir Brüder“ (Test 16), sagt Franziskus im Blick auf die Anfänge
der Brüdergemeinschaft. In diese Brüdergemeinschaft
nahm er alle auf, die sein Ideal des Minder-Seins
teilen wollten; unter ihnen gab es auch Priester.
An sie wendet sich Franziskus: „An alle in Christo
demütigen Minister und Kustoden und Priester
dieser Brüderschaft“ (BrOrd 3), und er gibt
ihnen konkrete Anweisungen, wie sie als Mindere
Brüder das ordinierte Amt ausüben sollen. Was
Franziskus hier sagt, gilt auch noch heute für
die Priester in unserem Orden. |
Eigenschaften des Priesters, der Minderer Bruder ist |
| In der Ausübung ihres priesterlichen Dienstes geben die Priester unseres
Ordens der Zugehörigkeit zur Brüdergemeinschaft
den Vorrang. (vgl. BrOrd 30-33). Als besondere
Diener des Erbarmens Gottes, und inspiriert
vom Vorbild, das Franziskus im Brief an einen
Minister (BrMin 9-12) beschreibt, stellen sie
sich für notwendige Aufgaben der Kirche zur
Verfügung, vor allem für Dienste, die schwieriger
zu besorgen sind und keine besondere Anerkennung
verschaffen. Die Priester unseres Ordens verstehen
es, sich zu den Nächsten der Leidenden, der
Randständigen und der Fernstehenden zu machen.
|
|
| Zeichen und Gegenstände, die den Ritus und die Liturgie ausmachen (vgl. BrKl
II, 1-15), wie auch das eigene Verhalten
des Priesters, der ein Minderbruder ist, seien
so, dass sie sowohl die Einfachheit des franziskanischen
Lebens wie auch die Größe der gefeierten Geheimnisse
aufstrahlen. |
|
| Schließlich müssen die Priester frei sein von jeglicher Anhänglichkeit an
das Geld und bereit und fähig auch unentgeltlich
ihren Dienst zu leisten, wenn die Umstände es
erfordern, wie das dem Evangelium entspricht
(Mt 10,8-10). |
|
| |
|
| 37. Die Sendung unseres Ordens muss die franziskanische Eigenart unseres Charismas
zur Geltung bringen. Deshalb müssen die Zirkumskriptionen
bei der Auswahl der Tätigkeiten und Dienste
auch jene kirchlichen Dienste miteinbeziehen,
die nicht an das Priestertum gebunden sind.
|
Nichtpriesterliche brüderliche Dienste |
| |
|
| 38. Franziskus hat sich als Minderer Bruder immer darum bemüht, den Gehorsam
gegenüber dem Evangelium zugleich als Gehorsam
gegenüber der Kirche, der Gemeinschaft der Getauften,
zu leben. Ihm war die Intuition geschenkt, dass
das vom Geist inspirierte Evangelium aus dem
Schoß der christlichen Gemeinde entstanden war
(vgl. J. Corriveau, Rundbrief 22 „Der Mut, Mindere
zu sein“, 6,1). Aus diesem Verständnis heraus
hat er auf den Ruf des Gekreuzigten: „Franziskus,
geh, stell mein Haus wieder her, das, wie du
siehst, ganz zu verfallen droht“ (Legm 1,V),
großherzig seine Antwort gegeben. Im Testament
von Siena bekräftigt er: „Immer sollen sie den
Prälaten und Klerikern der Heiligen Mutter Kirche
treu und untergeben sein“ (TestSien 5). Als
wesentlichen Ausdruck unserer Minoritas wollen
wir der Kirche und ihren Amtsträgern einen von
Herzen kommenden, mitverantwortlichen Gehorsam
leisten. Unsere Zugehörigkeit zur Kirche wird
dann tatsächlich greifbar, wenn wir uns im Sinn
des Evangeliums für das ganze Volk Gottes verfügbar
halten. |
Im Gehorsam gegenüber der Kirche, offen für die weniger gesuchten Dienste |
| In diesem Sinn bleiben wir auch weiterhin bereit für den Dienst an der Orts-
und Weltkirche, darauf bedacht, in Eintracht
mit den Hirten in der Kirche unsere Aufgaben
zu erfüllen (Test 8-10). Wir wollen mit Vorliebe
jene Dienste übernehmen, die unserer Berufung
als Mindere näher stehen, und uns einsetzen
in pastoralen Grenzbereichen, in Aufgaben innerhalb
der Kirche und an ihrer Peripherie, die weniger
gesucht sind, oder eben dort, wo wir unser Mitleiden
und unsere menschliche Nähe besser bekunden
können d. h. in Pfarreien an der Peripherie,
in der Spitalseelsorge, in der Betreuung von
Kranken, in der Welt der Randständigen, der
alten Menschen und der von der neuen Armut Betroffenen.
|
|
| Achten wir darauf, dass die Entlöhnung nicht das einzige Kriterium für die
Auswahl unserer Tätigkeiten sein darf, und dass
unsere Tätigkeiten Ausdruck der ganzen Brüdergemeinschaft
sein sollen. |
|
| |
|
| 39. Der Orden hat uns in verschiedenen Dokumenten dazu eingeladen, bei der Übernahme
von Pfarreien „klug“ vorzugehen (vgl. Satz 151,2).
Leider müssen wir beobachten, wie diese Weisung
aus verschiedenen Gründen nur wenig wirksam
wurde und wie unser brüderliches Leben in Itineranz
immer mehr durch die Führung von Pfarreien beeinträchtigt
wird. Wir schlagen deshalb vor, dass man in
diesem Punkt unsere Art des Vorgehens kritisch
überprüft. Bei der Übernahme von Diensten im
Bereich der Pastoration und Evangelisation soll
man ein Modell der „Mitarbeit“ in der Ortskirche
vorziehen und darauf verzichten, sich Machtpositionen
aneignen zu wollen. Von daher macht es Sinn,
Aufgaben und Verantwortlichkeiten, etwa Pfarreien,
diözesane Dienste und andere Aufgaben, die zur
Stabilität verleiten, nur auf eine beschränkte
Zeit hin anzunehmen. Den konkreten Umständen
ist dabei Rechnung zu tragen. |
Zusammenarbeit mit der Ortskirche |
| |
|
| 40. Wo immer wir hingehen, um das Evangelium zu verkünden, den Orden einzupflanzen
und am Aufbau der Kirche mitzuwirken, achten
wir vor allem auf Folgendes: |
Einpflanzung der Kirche und des Ordens |
|
• wir vermeiden in unserer Art und Weise, zu leben, zu evangelisieren und
zu helfen, jedes Anzeichen von Macht und sozialem
Status;
• wir vermeiden jede Form von Ungleichheit zwischen den einheimischen Brüdern
und den Brüdern von auswärts, die auf die wirtschaftliche
Hilfe ihrer Herkunftsländer abstellen können;
• wir arbeiten bevorzugt mit den Mitteln und Methoden, die am Ort gebräuchlich
sind;
• wir führen die verschiedenen Projekte nicht in persönlichen Namen, sondern
im Namen der Kapuzinergemeinschaft;
• wir halten uns an die Kriterien einer brüderlichen Ökonomie, wie sie der
VI. Plenarrat bezüglich der Gaben für die Missionen
bereits formuliert hat. |
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| Bei der Auswahl neuer Ordenspräsenzen bevorzugen wir jene Ortskirchen, die
von uns nicht den Aufbau großer pastoraler und
sozialer Strukturen erwarten, sondern auf unser
franziskanisches Zeugnis setzen. Wir ziehen
auch Ortskirchen vor, wo es überhaupt noch keine
franziskanische Präsenz gibt. Die Zusammenarbeit
mit den Brüdern und Schwestern der franziskanischen
Familien kann sich hierin als recht hilfreich
erweisen. |
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| 41. Da wir Kapuziner Mindere sein wollen, setzt sich der Orden in keiner Weise
dafür ein, dass seine Mitglieder das Bischofsamt
oder sonst ein höheres kirchliches Amt erhalten.
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Kirchliche Ämter |
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| FUER EINE WELT IN GERECHTIGKEIT UND
FRIEDEN |
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| 42. Die Kraft des Heiligen Geistes nährt in unseren Herzen jene wahre Liebe,
die unter allen Geschöpfen Einheit schafft,
unabhängig davon, wer und was ein jedes ist
(vgl. LG 7). Als Brüder des Franziskus sind
wir gehalten, Brücken zu bauen und Wege zu erschließen,
Barrieren der Kaste, des Glaubens, der Religion
und der geographischen Grenzen zu überwinden
und uns im vielfältigen Geflecht der Beziehungen
an den Leitfaden der Liebe zu halten. Unsere
Brüdergemeinschaften sollen für unsere Umgebung
‚Herdfeuer’ des Friedens und der Versöhnung
sein. |
Beziehungen schaffen |
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| 43. Es kennzeichnet die Minoritas des Franziskus ganz besonders, dass der Heilige
von Assisi fähig war, nicht nur die Verletzungen,
Grenzen und Sünden der Menschen zu sehen, sondern
dass er in allen auch die Gegenwart Gottes wahrgenommen
hat. Den Aussätzigen Barmherzigkeit erweisen
heißt: Im leidenden Menschen die geheimnisvolle
Gegenwart Gottes erkennen. Das ständige Angebot
des Verzeihens für die, die sich verfehlen,
ist die Bestätigung dafür, dass der andere,
der Bruder, größer ist als seine Sünde. In Übereinstimmung
mit dem Zeugnis des Evangeliums sollen auch
wir uns nicht vom Bösen und vom Leiden lähmen
lassen; vielmehr sollen wir Hoffnung, Heilung
und Versöhnung denen bringen, die an Leib und
Seele leiden. |
Den Menschen sehen, nicht die Sünde |
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| 44. Die internationalen Konflikte, durch die unsere Gegenwart geprägt ist, und
die von persönlicher und sozialer Schuld gekennzeichnete
Situation der Menschen weisen auf die radikale
Notwendigkeit von Bekehrung, Versöhnung und
Frieden hin, Gaben, die nur von Oben kommen
können: „Er ist unser Friede, er hat aus den
beiden ein Volk gemacht“ (Eph 2,14). Es ist
ein wesentlicher Bestandteil unseres Auftrags
als Mindere Brüder, dass wir mit geeigneten,
konkreten Initiativen die Versöhnung unter den
Menschen und Gruppen tatkräftig fördern und
zu einer Kultur der Versöhnung beitragen. In
diesem Zusammenhang kann die Verfügbarkeit für
die Spendung des Sakraments der Versöhnung durchaus
als Ausdruck unser Minoritas verstanden werden.
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Versöhnung ermöglichen |
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| 45. Wir Brüder Kapuziner glauben an die Schönheit der Minoritas. Wie Franziskus
sind wir überzeugt, dass wir trotz der realen
Schwierigkeiten, die ein Leben in Minoritas
und Itineranz mit sich bringt, immer genügend
Anlass haben, uns unserer Lebensweise zu freuen.
Die Erfahrung im Umgang mit dem Evangelium und
das Leben in Gemeinschaft sind Grund genug,
dass wir unsere Minoritas in Freude leben. Deshalb
bemühen wir uns auch, in das oft harte Leben
der Armen einen Glanz von Freude zu bringen
(Satz 100). Es werden auch viele Menschen auf
unsere Freude aufmerksam; das stärkt ihren Lebensmut,
und vielleicht motiviert es den einen oder andern,
unsere Berufung zu seiner eigenen zu machen.-
Als Mindere Brüder in echter Freude zu leben
ist nicht nur möglich, sondern stellt eine Realität
dar, die in unserem Lebensstil konkret greifbar
ist. |
Freude an der Minoritas |
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| 46. Auf dem Weg der Umkehr und der Nachfolge Jesu begegnete Franziskus dem Leprosen
und umarmte ihn. Diese zunächst „bittere“ Erfahrung
wurde für ihn in „Süssigkeit für Seele und Leib“
(Test 3) verwandelt. Geprägt von dieser Erfahrung
setzte sich Franziskus ein für eine neue Welt,
die geprägt ist von „erlösten“ Beziehungen.
So kann als unsere spezifische Berufung gelten: |
„Erlöste“ Beziehungen |
| • wir bemühen uns vor allem um Versöhnung (vgl. V. Plenarrat 86);
• wir tragen dazu bei, dass zwischen den Konfliktparteien gegenseitiges Verständnis
heranwächst und fördern die wechselseitige Empathie;
• wir geben jeder Konfliktpartei die Möglichkeit, die eigenen konflikthaften
Erfahrungen zum Ausdruck zu bringen;
• wir halten im Konfliktfall an den legitimen Bedürfnissen aller Konfliktparteien
fest;
• wir leben unter uns selber ein Modell der Solidarität, das jedem Bruder
Sicherheit gibt und für die Welt beispielhaft
Solidarität vorlebt;
• wir überwinden ethnische, sprachliche und nationale Spaltungen;
• wir erheben unsere Stimme mit denen, die keine Stimme haben;
• wir achten aufmerksam darauf, welche Auswirkungen bestimmte Lösungsansätze
auf unsere Schwester, Mutter Erde, haben;
• wir legen den Finger offen auf ungerechte Praktiken und politische Vorhaben. |
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| 47. Wenn wir unter Menschen gehen, die unseren Glauben nicht teilen, sind wir
aufgerufen, zunächst mit unserem Leben Zeugnis
für Christus abzulegen, dann aber sollen wir
nach dem Beispiel des heiligen Franziskus (vgl.
NbReg XVI,6-10) mit den anderen den Dialog aufnehmen.
Dabei sollen wir nicht auf Proselytismus aus
sein und die Überzeugungen anderer auch nicht
heruntermachen oder ins Negative interpretieren.
Deshalb ist es unser Wunsch: |
Zeugnis und Dialog |
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• unter den Armen zu leben, ohne uns von den verschiedenen Religionen einschränken
zu lassen;
• den Dialog aufzunehmen mit den verschiedenen Kulturen, Religionen und Konfessionen;
• das Evangelium zu inkulturieren. |
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| 48. In einer Welt des Wettbewerbs und des Kampfes, wo die ökonomischen, militärischen
und technologischen Systeme mit ihrer Selbsterhaltung
beschäftigt sind und die Armen immer mehr an
den Rand gedrängt werden, engagieren wir uns
als Mindere Brüder, die unterwegs sind, indem
wir unsere Solidarität mit den Armen und an
den Rand Gedrängten zum Ausdruck bringen und
uns an ihre Seite stellen. So verändern wir
die Welt ein Stück weit gemäß dem evangelischen
Geist der Brüderlichkeit. |
Solidarität mit den ‚Kleinen’ unserer Zeit |
| Unsere Predigt vom Reich Gottes darf sich nicht auf die verbale Verkündigung
des Wortes beschränken, sie ruft danach, dass
wir uns in den Prozess der Gesellschaft einmischen
und unseren Beitrag zur Veränderung der Gesellschaft
leisten. „Was ihr für einen meiner geringsten
Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“,
sagt Jesus (Mt 25,40). Als Mindere Brüder, die
arm sein wollen und sich auf die Seite der Armen
gestellt haben, müssen wir uns aktiver als bisher
für die soziale und geistige Entwicklung der
Armen und der Randgruppen engagieren. Wenn wir
auf deren existentielle Lebenssituationen in
den verschiedenen Teilen der Welt eingehen,
werden wir zu einer positiven Veränderung und
zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensverhältnisse
beitragen. Dazu wollen wir alle franziskanischen
Mittel einsetzen, die uns zur Verfügung stehen.
So kann unsere Solidarität mit den Kleinen in
der Gesellschaft zu einer signifikanten Größe
werden und verhindern, dass das Elend die Menschlichkeit
der Armen so weit zerstört, dass Moralität für
sie schlechthin unmöglich wird. |
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| 49. Wir sind davon überzeugt, dass es schwer fällt, die heutige Welt, die in
Armut zu versinken droht, von einer privilegierten
Position - wie es die unsrige ist - aus zu begreifen,.
Doch glauben wir, dass die Bereitschaft auf
die Armen zuzugehen, eine Haltung ist, die in
unserem Orden neues Leben weckt. Zwei Dinge
sind gefordert: |
Ortswechsel |
| Ein Wechsel der Orte unserer Niederlassungen, der dazu führen würde, dass
wir - wie die ersten Kapuziner - unsere Häuser
in einfacher und armer Bauweise an der Peripherie
der Gesellschaft errichten. |
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| Dieser Ortswechsel würde unmerklich einen Wechsel des soziologischen Standorts
nach sich ziehen. Denn wir wären herausgefordert,
unter den Armen zu leben, nicht nur indem wir
sie bei uns aufnehmen, sondern indem wir uns
gerne von ihnen aufnehmen lassen. Die „Taufe
der Armen“, die Franziskus in der Begegnung
mit dem Aussätzigen erfahren hat, bringt uns
dazu, als Weggefährten das Leben der Armen zu
teilen und aktiv an ihrer Befreiung mitzuarbeiten.
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| Unter diesem Gesichtspunkt ist zu wünschen, dass die Zirkumskriptionen des
Ordens für mindestens eine Zeugnisfraternität
unter den Armen besorgt sind, und dass wenigstens
einige Brüder aus Solidarität das Leben mit
den verarmten Völkern teilen. |
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| 50. Der Fonds für Internationale Solidarität ist ein wichtiges Instrument, durch
das die Jurisdiktionen ihre Ressourcen mit jenen
Zirkumskriptionen teilen, die für die eigene
Infrastruktur und für die Unterstützung der
sozialen Entwicklung der Menschen vor Ort Hilfe
brauchen. In Zusammenarbeit mit anderen können
wir aus einer Haltung der Minoritas heraus einen
wichtigen Beitrag zur Förderung dieser Anstrengungen
leisten. Die einzelnen Jurisdiktionen sollen
dabei die Zusammenarbeit mit anderen anerkannten
Organisationen und Institutionen suchen, so
weit diese mit uns die evangelischen Werte teilen
und zu sozialen Veränderungen und zur Direkthilfe
an die Armen beitragen. Franciscans International
bei den Vereinten Nationen muss für uns die
Organisation sein, mit der alle Jurisdiktionen
des Ordens vorrangig die Zusammenarbeit anstreben.
Der Orden soll die Brüder ständig über die Aktivitäten
von Franciscans International bei den Vereinten
Nationen auf dem Laufenden halten. |
Fonds für Internationale Solidarität und „Franciscans International“ |
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| 51. Viele unserer Jurisdiktionen verfügen über Programme, die die Entwicklungshilfe,
die Förderung sozialer Wandlungsprozesse und
die Hilfe an die Armen regeln. Die diesbezüglichen
Tätigkeiten sind aller Anerkennung wert; sie
stimmen überein mit unserem Charisma als Kapuziner.
Wegen der großen Geldsummen, über die dabei
manchmal verfügt wird, geben diese Tätigkeiten
aber auch Anlass zu Formen der Machtausübung,
die - wie jede andere Ausübung von Macht - einer
kritischen Beurteilung durch den Orden unterstellt
werden müssen. Die im Folgenden aufgeführten
Normen wollen einen Beitrag dazu leisten, dass
der Umgang mit Macht auch in diesem Bereich
sich deckt mit einem Vorgehensstil, wie er unserer
Berufung entspricht. |
Umgang mit den Einrichtungen für die Entwicklung |
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• Die Werke, die sich Entwicklungshilfe und Förderung sozialer Wandlungsprozesse
zum Ziel setzen, müssen sich im Kontext der
jeweiligen Gesellschaft als eine Realität brüderlicher
Ökonomie zur Geltung bringen. Deshalb ist es
wichtig, dass die Direkthilfe an die Armen immer
auch das Ziel verfolgt, zu einer direkten Begegnung
zwischen denen zu führen, die Hilfe nötig haben,
und denen, die die Hilfe leisten.
• Bei der Realisierung solcher Projekte muss der Einsatz des Geldes transparent
sein.
• Da derartige Werke oft mit umfassender Machtausübung verbunden sind, soll
kein Bruder über längere Zeit eine Position
innehaben, in der er die Kontrolle und Letztverantwortung
über diese Werke ausübt. Sonst besteht die Gefahr
von Machtmissbrauch, und es können sich auch
Verhaltensweisen einschleichen, die mit unserem
Leben in Minoritas nicht übereinstimmen. Die
Amtsdauer eines Bruders in einer solchen Funktion
sollte der eines Provinzialministers entsprechen,
sechs Jahre also nicht überschreiten.
• Die Hilfeleistungen sollen durch die Brüdergemeinschaft vermittelt werden
und nicht von Einzelperson zu Einzelperson gehen.
• Man soll die finanziellen Mittel vor allem dort einsetzen, wo die Brüder
selber direkt im Dienst der Armen stehen.
• Bei diesen Dienstleistungen sollen die Brüder entschieden darauf achten,
dass die evangelischen und franziskanischen
Werte gefördert werden.
• Wenn Projekte sozialer Entwicklung und direkter finanzieller Hilfe, die
vom Orden getragen werden, von anderen Gruppen
effizienter geführt werden können, soll man
sie diesen übergeben. |
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| 52. Auch wir Kapuziner tragen Mitverantwortung an den verschiedenen Formen der
Zerstörung unseres Planeten (z. B. Luft- und
Bodenverschmutzung, Plünderung der natürlichen
Ressourcen usw.), da wir ja an den Fehlleistungen
dieses zerstörerischen Systems aktiv Anteil
haben. |
Ökologische Verantwortung |
| Wir laden die Brüder ein, als Gemeinschaft und als Einzelne, ihr faktisches
ökologisches Verhalten kritisch zu überprüfen.
Wir ermutigen alle, sich an Aktionen von Gruppen
und Vereinigungen zu beteiligen, die sich für
die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. |
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| 53. Im Kampf gegen den Konsumismus, der das derzeitige System am Leben erhält
und unser Zeugnis der Minoritas und der Itineranz
entschieden in Frage stellt, bemühen wir uns
um die folgenden Verhaltensweisen: |
Kampf gegen den Konsumismus |
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• wir verwenden mit kritischer Zurückhaltung (oder noch besser: wir verzichten
ganz darauf) Produkte des Konsums, die Symbole
von Macht, Prestige und Überheblichkeit sind;
• wir suchen die Zusammenarbeit mit Vereinigungen, die für einen bewussten
und ethisch verantwortbaren Konsum eintreten;
• wir arbeiten zusammen mit Organisationen, die das Leben, die Natur und die
Vielfalt der Arten schützen wollen und treten
ein für eine vernünftige und ökologisch verantwortbare
Verwendung der natürlichen Ressourcen. |
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| 54. In Gesellschaften, die von Egoismus und Gewalt geprägt sind, haben meistens
die Kinder und die Frauen unter den negativen
Folgen am stärksten zu leiden. Deshalb stellen
wir uns aktiv auf ihre Seite und pflegen eine
„Kultur der Liebe“, d.h. eine Kultur des Lebens
gegen eine Kultur des Todes. |
Kultur der Liebe |
| Wir setzen uns - so weit es in unseren Kräften steht - für die Kinder ein,
die schutzlos der Gewalt ausgesetzt sind, und
arbeiten für ihre Befreiung. Dabei suchen wir
die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen,
die sich für die Gesundheit und Erziehung der
Kinder einsetzen. |
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| Wir treten ein für die Gleichberechtigung der Frau. Weil wir von der gleichen
Würde von Frau und Mann ausgehen, fördern wir
eine Kultur der Gegenseitigkeit. Als Mindere
Brüder pflegen wir vom Geist der Gleichheit
und des Respekts geprägte Beziehungen zu den
Frauen. Wir nehmen ihre Anliegen und ihre kritischen
Vorbehalte sorgfältig wahr und bauen mit ihnen
die neue Stadt der Gleichheit und der Gleichberechtigung. |
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| 55. Der VII. Plenarrat besteht darauf, dass jede Zirkumskription über eine Kommission
„Friede und Gerechtigkeit“ verfügt, die auch
aktiv tätig ist. Jede Konferenz mache auch die
Organisation ‚Franciscans International’ bekannt
und unterstütze ihre Tätigkeit. |
Kommission GFS |
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