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Brüder leben weltweit in 99 verschiedenen Ländern. Ihre
Zugehörigkeit zum Orden der Minderen Brüder Kapuziner
läßt sich daran ablesen, dass ihr Leben und ihr Alltag
sich in und um eine Brüdergemeinschaft vor Ort abspielt.
Unser Orden zählt mehr als 1800 örtliche
Brüdergemeinschaften. Sie setzen sich jeweils aus mindestens
drei Brüdern zusammen. Die Durchschnittszahl der Brüder
einer Gemeinschaft liegt zwischen 5 und 12 Brüdern. In seltenen
Fällen leben sogar mehr als 30 Brüder in einer Gemeinschaft.
Die Brüdergemeinschaften vor Ort pflegen
das gemeinsame Gebet, essen miteinander am gleichen Tisch, teilen
sich in die notwendigen Arbeiten im Haus auf und engagieren sich
gemeinsam im Dienst an den Menschen. Die gegenseitige brüderliche
Unterstützung, die Gütergemeinschaft und die Bereitschaft,
mit dem Nächsten zu teilen, sind wesentliche Aspekte unseres
Lebens in Brüderlichkeit.
Die Koordination des gemeinsamen Lebens ist dem “Guardian"
anvertraut; ihm zur Seite steht der Vikar. Doch tragen alle Brüder
mit an der Organisation und Gestaltung des brüderlichen Lebens
der Gemeinschaft. Dazu dienen regelmäßige Treffen,
die sogenannten “Hauskapitel". |
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Mehrere örtliche Brüdergemeinschaften bilden in einem
bestimmten Gebiet ein gemeinsames Kommunikationsnetz, eine sogenannte
Zirkumskription. Eine derartige Zirkumskription nennt man “Provinz".
Zirkumskriptionen können aber auch Vizeprovinzen, Kustodien
oder Delegationen sein. Das ist dann der Fall, wenn die Anzahl
der Brüder in einem Gebiet noch gering ist, der Orden erst
vor kurzem dort Fuß gefaßt hat oder wenn im betreffenden
Gebiet der Entwicklungsstand des Ordens und seine Fähigkeit
zur Selbstverwaltung zu wenig entwickelt sind. Die Delegationen
repräsentieren einen ersten Schritt zur organisierten Präsenz
des Ordens in einem bestimmten Gebiet. Die Brüdergemeinschaften
einer Delegation stehen deshalb unter der Leitung der Herkunftsprovinz
der betreffenden Brüder.
Im Gegensatz dazu sind die Beziehungsnetze der
Kustodien, Vizeprovinzen und Provinzen derart fest geknüpft,
dass sie jeweils über eine eigene Leitung verfügen.
Diese wird auf dem Kapitel der betreffenden Zirkumskription gewählt.
Alle drei Jahre werden diese Kapitel abgehalten. Auf ihnen kommen
entweder alle Brüder der jeweiligen Zirkumskription zusammen
oder auch nur die Delegierten der örtlichen Brüdergemeinschaften.
Die Zirkumskriptionen entscheiden selber, welches der beiden Verfahren
angewendet wird. In der Regel des Heiligen Franziskus und in den
Satzungen des Ordens ist festgelegt, dass das Kapitel alle Fragen
behandelt, die das brüderliche Leben betreffen und dass es
die Leitung wählt. Diese besteht normalerweise aus einem
“Minister" und vier Räten. Traditionellerweise
nennt man diese Räte bei uns “Definitoren". Der
Minister - wörtlich: der Diener der Brüdergemeinschaft
- und die vier Räte werden auf drei Jahre gewählt.
Alle drei Jahre müssen aber mindestens
zwei von diesen vier Räten durch neue Brüder ersetzt
werden. Jede Provinz verfügt über einen großen
Freiraum in der Organisation und Gestaltung ihres Lebens und ihrer
Aufgaben. Sie ist zuständig für die Zulassung von Kandidaten
zu unserer Lebensweise und trägt auch die Verantwortung für
die religiöse und berufliche Ausbildung der jungen Brüder.
Ein Teil der Brüder unseres Ordens wird
zum Priester geweiht. Zuvor aber machen sie den Ausbildungsweg,
wie ihn die Kirche als Vorbereitung auf diesen Beruf vorschreibt.
Die anderen Brüder bleiben Laien und leben als Laien voll
und ganz ihre Berufung als Mindere Brüder. Die Profess auf
die Regel des Heiligen Franziskus und die drei Gelübde der
Armut, der ehelosen Keuschheit und des Gehorsams verbinden uns
zu einer Brüdergemeinschaft.
Unsere Gesetzgebung hält unmißverständlich
fest, dass im Orden alle Brüder, die ewige Profess abgelegt
haben, die gleichen Rechte haben und für alle Ämter
wählbar sind, die für das allgemeine Wohl der Brüdergemeinschaft
notwendig sind. Die Größe der Provinzen weicht recht
stark voneinander ab, von weniger als 30 bis zu mehr als 300 Brüdern.
Wir legen Wert auf ein brüderliches Klima in unseren Provinzen
und möchten die Gefahren einer anonymen Bürokratie ausschalten.
Deshalb werden große Provinzen in kleinere Regionen aufgeteilt,
in denen familiäres Miteinander eher möglich ist. Umgekehrt:
Wenn eine Provinz so klein wird, dass sie sich nicht mehr selber
entwickeln und leiten kann, dann kann sie mit einer anderen Provinz
zusammengehen und gemeinsam eine lebenskräftige Zirkumskription
bilden. Auf Weltebene sind die Provinzen eines größeren
Gebiets auf Grund von Sprache, Kultur und anderen sozialen Faktoren
zusammengefaßt in sogenannten “Ordenskonferenzen".
Diese erleichtern die Zusammenarbeit der Provinzen in jenen Bereichen,
die von übergreifendem Interesse sind.
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Wie
man die Provinzen und die anderen Zirkumskriptionen als Netzwerk
von örtlichen Brüdergemeinschaften verstehen kann, so
versteht sich der Orden auf Weltebene als ein Netzwerk von Provinzen,
Vizeprovinzen, Kustodien und Delegationen. Die Animation dieses
Netzwerkes macht die vordringliche Aufgabe des Generalministers
und seiner acht Räte (Generaldefinitoren) aus.
Der Generalminister und die acht Räte werden
auf dem Generalkapitel des Ordens gewählt. Dieses findet
alle sechs Jahre statt. Auf dem Generalkapitel kommen die Minister
aller Provinzen und Vizeprovinzen sowie eine bestimmte Zahl von
Delegierten aus den Kustodien und den zahlenmäßig größeren
Provinzen zusammen.
Das Generalkapitel wählt den Generalminister.
Ihm zur Seite stellt es die Räte, die aus den verschiedenen
Kontinenten kommen. Ausserdem ist es die Aufgabe des Generalkapitels,
alle für den Orden wichtigen Themen zu behandeln und die
Gesetzgebung immer wieder anzupassen, damit sie den Bedürfnissen
der Kirche und der Entwicklung der Gesellschaft entspricht.
Der Generalminister ist gehalten, während
der sechs Jahre seiner Amtsdauer alle Zirkumskriptionen des Ordens
und soweit möglich alle Brüder zu besuchen. Seine Räte
besuchen in größerer Häufigkeit die Region, aus
der sie kommen bzw. für die sie eine besondere Verantwortung
übernommen haben. In ihrem Einsatz ermutigen sie die unterschiedlichen
Entwicklungen vor Ort, achten aber darauf, dass der Zusammenhang
und die Einheit mit dem Gesamtorden gewahrt bleibt. Sie achten
besonders auf Bedürfnisse personeller oder materieller Art,
die von der Solidarität des Gesamtordens befriedigt werden
können.
Zur Klärung zentraler Fragen, die für
das Leben des Ordens von zentraler Bedeutung sind, ruft der Generalminister
gelegentlich Vertreter aller Regionen zu einem auf Zeit erweiterten
Rat zusammen, dem sogenannten Plenarrat des Ordens. Die bisher
durchgeführten Plenarräte befaßten sich mit Themen
wie Gebet, Mission, Ausbildung, prophetische Präsenz in der
Welt und evangelische Armut in Brüderlichkeit. Der 7. Plenarrat
im Jahr 2004 widmete sich dem Thema: “Unser Leben in Brüderlichkeit
und Mindersein".
Die Zugehörigkeit zum Orden manifestiert
sich in erster Linie darin, dass wir einander Brüder sind.
Gleichwohl bilden wir eine äußerst vielfältige
Familie. Wir sind eins und doch verschieden durch die vielen Kulturen
und politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situationen,
in die wir eingebunden sind. Die unterschiedlichen Situationen
sind in hohem Maß auch Ausdruck des Reichtums der Menschheit,
der wir gerade durch unsere Präsenz an so vielen Orten in
besonderer Weise angehören. Uns allen gemeinsam ist die franziskanische
Tradition; sie macht unsere gemeinsame innerste Geschichte aus.
Uns alle hält zusammen die Wirksamkeit altbewährter
Institutionen, die wir jedoch ständig den Notwendigkeiten
unserer Entwicklung anpassen. Und schließlich trägt
uns, dass wir uns alle dazu entschlossen haben, “nach der
Form des heiligen Evangeliums" zu leben und dem Herrn und
unseren Brüdern und Schwestern in Frieden und Solidarität
zu dienen. Im Gebet und im alltäglichen Teilen des Lebens,
wie es in unseren örtlichen Brüdergemeinschaften selbstverständlich
ist, gibt es immer Platz und Raum für Brüder, die aus
anderen Ländern und Kulturen kommen. Wenn sie uns besuchen,
dann dürfen sie sich aufgehoben fühlen im Kreis von
wahren und wirklichen Brüdern. |