Der Orden der Minderen Brüder stand im Lauf seiner Geschichte
immer wieder vor der Herausforderung, die ursprünglichen
Absichten des Gründers, des hl. Franz von Assisi, treu in
die jeweilige Zeit umzusetzen. Das führte zu grossen Schwierigkeiten,
zu heftigen Auseinandersetzungen und sogar zu Abspaltungen.
Die drei grossen Zweige des Ersten Ordens, die
Minderen Brüder Franziskaner, die
Minderen Brüder Konventualen und die Minderen Brüder
Kapuziner sehen sich alle in der Nachfolge des Franziskus, ihres
Gründers und Vaters, gleichwohl verfügen sie über
eine je eigene Organisation und rechtliche Struktur.
Die Kapuziner bilden den jüngsten Zweig. Sie gehen auf
das Jahr 1525 zurück. Damals beabsichtigten einige Minderbrüder
der Marken (Italien), ein strengeres Leben der Armut und des Gebetes
zu führen. Sie wollten die ursprünglichen Absichten
des Hl. Franziskus in grösster Treue verwirklichen. Beim
päpstlichen Hof fand der neue Zweig des Ordens tatkräftige
Unterstützung. Bald wurde er offiziell anerkannt, und es
begann ein rasches, unaufhörliches Wachstum. Zunächst
in Italien, dann nach 1574 in ganz Europa. Die Bezeichnung “Kapuziner"
leitet sich her von der Form ihrer auffällig langen Kapuze.
Hatte es sich dabei anfänglich um einen Spitznamen gehandelt,
so wurde dieser rasch zur offiziellen Bezeichnung des neuen Ordens.
Kapuziner gibt es heute in 99 Ländern, auf der ganzen Welt
sind es etwa 11.000 Brüder, sie leben in mehr als 1800 Gemeinschaften
(Fraternitäten).
Einfachheit, Volksnähe und brüderlicher Geist in den
Häusern und in den Tätigkeiten sind sichtbare Zeichen
für das, was unseren Lebensstil ausmacht. Wir wollen nicht
verschweigen, dass die ersten Kapuziner der Busse und dem Gebet
grosse Bedeutung beigemessen haben; da hat unsere Gemeinschaft
heute durchaus Nachholbedarf.
Neben dem männlichen Orden der Kapuziner gibt es eine grosse
Zahl kontemplativer Kapuzinerinnenklöster, zudem zahlreiche
Fraueninstitute, die sich am kapuzinischen Charisma orientieren.
Viele von ihnen wurden unter Beihilfe eines Kapuziners gegründet.
Bei der Franziskanischen Gemeinschaft für die Laien handelt
es sich um eine selbständige Organisation, die sich über
die ganze Breite der franziskanischen Bewegung erstreckt. Franziskaner,
Konventualen, Kapuziner und andere Ordensgemeinschaften der Franziskanischen
Familie tragen gemeinsam die Verantwortung für ihre spirituelle
Begleitung.
Alle diese Ordensfrauen und Ordensmännern zusammen bilden
mit der Franziskanischen Gemeinschaft die eine Franziskanische
Familie.